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„Eingeschränkter Regelbetrieb“ : Wenn der Schulstart zum Stresstest wird

Schüler am ersten Schultag nach den Sommerferien in Schwerin Bild: dpa

Aus Sicht von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek fordert das neue Schuljahr alle Beteiligten „wie vielleicht noch nie“. Dennoch ist die Freude über die Wiederaufnahme des Schulbetriebes in den Ländern groß.

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          Auch nach dem Ende der Sommerferien wird es keinen normalen Schulbetrieb geben. Die Bundesländer sprechen wegen Corona von einem „eingeschränkten Regelbetrieb“, der jedoch zumindest sicherstelle, dass es wieder Präsenzunterricht gebe. Gleichwohl müssen sich die Schulen darauf einrichten, beim Auftreten von Infektionen in ähnlicher Weise wie im Frühjahr reagieren zu können. Die Rede ist dabei von „hybriden und digitalen Unterrichtskonzepten“, die von den Schulen ausgearbeitet werden sollen. Die Situation wird zusätzlich durch einen an sich erfreulichen Umstand erschwert, weil in vielen Ländern so viele Schüler wie seit Jahrzehnten nicht mehr in die Schule kommen.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Bundesbildungsministerin Anja Karliczek sagte der F.A.S.: „Der Start in dieses neue Schuljahr fordert alle Beteiligten wie vielleicht noch nie.“ Der Präsenzunterricht sei für den Lernerfolg aber „unstreitig von besonderer Bedeutung“. Gerade benachteiligte Schüler hätten unter den Schulschließungen besonders gelitten. Karliczek lobt: „Die Krise hat uns aber auch die Chancen digitaler Lernformate gezeigt.“

          Sie verweist auf das 500-Millionen-Sofortprogramm, „damit sich benachteiligte Schüler zum Beispiel Laptops bei ihren Schulen ausleihen können.“ Nordrhein-Westfalens Bildungsministerin Yvonne Gebauer ergänzt: „Wenn es darum geht, vor allem auch den jüngsten Schülern Sicherheit zu geben, leisten unsere Lehrer über den Unterricht hinaus einen entscheidenden Beitrag.“

          Bundesbildungsministerin Anja Karliczek
          Bundesbildungsministerin Anja Karliczek : Bild: obs

          Der Vorsitzende des Bildungsausschusses im Bundestag, der SPD-Abgeordnete Ernst-Dieter Rossmann, bezeichnet den Schulstart als „Stresstest für den Bildungsföderalismus“ und fordert von den Ländern „mehr Klarheit und Gemeinsamkeit über das Hygienekonzept hinaus“. Von einem Normalbetrieb in den Schulen könne noch keine Rede sein: „Nach dem Schulbeginn in allen Ländern muss zügig eine Standortbestimmung der Kultusministerkonferenz folgen, um die nächsten Schritte zum Vollbetrieb anzugehen.“

          Seine Kollegin von der Unionsfraktion, Sybille Benning, sieht das ähnlich: „Ich bin der festen Überzeugung, dass eine Wiederaufnahme des Unterrichts unter der Einhaltung der dafür konzipierten Hygienemaßnahmen von großer Bedeutung ist, um die Chancengerechtigkeit für alle jungen Menschen gewährleisten zu können.“ Jedes Bundesland müsse entsprechend der regionalen Situationen selbst entscheiden, wie das zu gestalten sei.

          Thomas Sattelberger, der bildungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, sagt zwar: „Schule ist schon deshalb gut, weil die Kinder wieder in ihrem gewohnten sozialen Umfeld sind.“ Zugleich befürchtet er, dass „viele der Schulen unvorbereitet sind, wenn eine zweite Corona-Welle komme. „Es muss eben alles zugleich funktionieren: analoger und digitaler Unterricht, Präsenz und Distanz.“

          Eltern beklagen Verunsicherung

          Die Facebook-Gruppe „Eltern in der Krise“, in der sich mehr als 14.000 Mütter und Väter zusammengeschlossen haben, sieht viele praktische Problem. Sprecherin Sarah Wehrs sagte: „Ein Corona-Konzept gibt es für die Bundesliga, nicht aber für Schulen und Familien. Das zeigt, welchen Stellenwert Familien und Bildungspolitik hat. Die Schulen sind schon jetzt überfordert, und dann sollen sie Corona praktisch auf sich allein gestellt bewältigen, dazu auch noch die Digitalisierung, wo manche Lehrer nicht einmal eine eigene Mailadresse haben.“ Sie fügt hinzu: „Den Kindern sind Regeln durchaus zuzumuten, was sie wirklich stört, ist ein Mangel an Verlässlichkeit. Diese Woche Unterricht zu Hause, nächste in der Schule – das verunsichert auf Dauer.“

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