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Millionen Dosen von Moderna : Keine Abnehmer für abgelaufenen Corona-Impfstoff

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In Potsdam wird ein Mann mit dem Moderna-Impfstoff geimpft. Bild: dpa

Millionen Einheiten des Impfstoffs laufen ab, doch Spenden an andere Länder ist wohl keine Option. Das Bundesgesundheitsministerium sieht international keinen Bedarf dafür.

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          Die Möglichkeiten Deutschlands, überschüssige Corona-Impfstoffdosen an andere Länder abzugeben, sind nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums begrenzt. Internationale Impfstoffinitiativen wie Covax hätten derzeit keinen Bedarf an weiteren Spenden, sagte eine Ministeriumssprecherin nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur am Montag in Berlin. Das Problem sei, „dass das globale Impfstoffangebot derzeit bei weitem die Nachfrage übersteigt“. Die Bundesrepublik hat demnach bereits mehr als 118 Millionen Einheiten von Corona-Impfstoffen an insgesamt 45 Länder gespendet. Weitere fünf Millionen würden gerade ausgeliefert.

          Zuvor war bekannt geworden, dass in Deutschland mehr abgelaufener Impfstoff vernichtet werden muss als bislang angenommen. Wie aus einer Antwort des von Karl Lauterbach (SPD) geführten Gesundheitsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage des CSU-Abgeordneten Stephan Pilsinger hervorging, sind zwischen Dezember 2021 und Ende Juni 2022 insgesamt 3,9 Millionen Einheiten verfallen. Das hat das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet. Demnach sei ausschließlich Impfstoff des amerikanischen Herstellers Moderna betroffen. Zuvor sei die Regierung davon ausgegangen, dass etwa drei Millionen Dosen vernichtet werden müssten. Minister Lauterbach verteidigte seinen Amtsvorgänger Jens Spahn (CDU). Dieser habe bei der Bestellung von Impfstoffen „keine Fehler gemacht“, schrieb Lauterbach auf Twitter. Lauterbach hatte das Gesundheitsministerium im Dezember von Spahn übernommen.

          Pandemie muss weiter eingedämmt werden

          Die EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides befürchtet weitere Corona-Wellen im Laufe des Jahres. Der Sommer müsse dazu genutzt werden, sich auf Herbst und Winter vorzubereiten, heißt es in einem Schreiben der Zypriotin an die Gesundheitsminister der 27 EU-Staaten vom Montag. „Angesichts einer möglichen Verschlechterung der epidemiologischen Situation ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir alle aufmerksam bleiben." Das Schreiben liegt der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel vor.

          Während die Bürger einen wohlverdienten Sommer ohne die Einschränkungen der vergangenen zwei Jahre genössen, müssten die Anstrengungen zur Eindämmung der Pandemie fortgesetzt werden. In den vergangenen Wochen habe man einen besorgniserregenden Anstieg der Fallzahlen erlebt mit mehr schweren Erkrankungen, mehr Einweisungen ins Krankenhaus und mehr Behandlungen auf der Intensivstation. Kyriakides verweist in ihrem Brief auf mehrere Maßnahmen, die die EU-Staaten ergreifen sollten. Dazu gehören etwa die ganzjährige Überwachung der Coronalage und verstärkte Impfbemühungen.

          Auch der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, Gernot Marx, hält für ältere Menschen im Herbst eine fünfte Impfung möglicherweise für nötig. „Sollte es ab Oktober einen Impfstoff geben, der vor der Infektion mit den Varianten BA.4 oder BA.5 schützt, wäre eine fünfte Impfung sinnvoll“, sagt Marx der Zeitung „Augsburger Allgemeine“. Wichtig sei, dass dafür die entsprechenden Kapazitäten in Impfzentren und Arztpraxen aufgebaut würden.

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