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Corona in Deutschland : Fällt der Herbsturlaub an der Nordsee aus?

Sie haben’s ans Meer geschafft: Feriengäste auf der Insel Sylt am vergangenen Wochenende. Bild: dpa

Die Länder streiten über das Beherbergungsverbot zur Eindämmung des Virus. Die Fronten sind verhärtet, auch Rheinland-Pfalz will nun ausscheren. Am Mittwoch soll sich die Kanzlerin einschalten.

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          Es ist sicher kein Zufall, dass die Ministerpräsidenten am Mittwoch bei der Unterredung mit der Kanzlerin am entschiedensten gegen das Beherbergungsverbot vorgehen wollen, deren Bevölkerung es am stärksten betrifft. Das sind Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), der allerdings von Anfang an nicht dafür gestimmt hatte, Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU).

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          „Wir haben Hunderttausende Pendler jeden Tag. Die begegnen sich im Einzelhandel, im Nahverkehr, auf der Arbeit. Und dann darf ein Berliner aber zwei Tage nicht im Spreewald übernachten, das macht alles keinen Sinn“, sagte Müller. Laschet verwies darauf, dass man zwar von Mainz nach Köln fahren dürfe, nicht aber von Köln nach Mainz. Das verstünden die Leute nicht mehr.

          Auch die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD), stimmte am Montagabend in den Chor der Kritiker ein. Sie kündigte an, das geplante Beherbergungsverbot für Menschen aus Corona-Krisengebieten vorerst nicht in Kraft zu setzen. „Die Rückmeldungen aus den Kommunen waren verheerend“, sagte Dreyer. Auch bundesweit sei die Diskussion über den Sinn dieses Verbots „extrem virulent“. Ursache der drastisch steigenden Infektionen seien in der Regel private Feiern, so Dreyer. „Es wäre ein echtes Signal, private Feiern drastisch zu reduzieren.“

          Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) indessen will die innerdeutschen Grenzen ihres Landes weiter verteidigen, um das Infektionsgeschehen so niedrig zu halten, wie es in ihrem schwach besiedelten Land bislang ist. Und Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) wird nicht müde, das Beherbergungsverbot als „echte Notfallmaßnahme“ zu verteidigen. „Mecklenburg-Vorpommern hat als Ganzes eine Inzidenz von etwas um die 5 und Berlin über 60. Wenn es zu solchen Unterschieden im Infektionsgeschehen kommt, glaube ich ganz klar, dass jeder sich schützen will, und dann ist so was am Ende unvermeidlich“, hatte der CDU-Politiker am Sonntagabend in der ARD gesagt.

          Das Entscheidende sei jetzt, die Städte unter die heikle Marke von 50 Neuinfizierten zu bekommen, dann sei auch der Reiseverkehr kein Problem. Bisher kann man das Beherbergungsverbot als Reisender aus einem Risikogebiet (mehr als 50 Infektionsfälle binnen sieben Tagen je 100.000 Einwohner) nur umgehen, wenn man einen negativen Corona-Test vorlegt, der nicht älter als 48 Stunden ist.

          Seibert spricht von der „zweiten Welle“

          Regierungssprecher Steffen Seibert verwies am Montag in Berlin darauf, dass für das Beherbergungsverbot und seine unterschiedliche Handhabung die Länder verantwortlich sind, bestätigte aber, dass es am Mittwoch zu den Gesprächsthemen gehören wird. Die Bundeskanzlerin werde sich die Argumente aller Seiten anhören. Dann werde man darüber zu diskutieren haben, was im Sinne der Hauptaufgabe, das Infektionsgeschehen nicht außer Kontrolle geraten zu lassen, das richtige Vorgehen sei. Er sprach nach Beratungen des sogenannten Corona-Kabinetts vom Beginn einer „zweiten Welle“.

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          Alle in der Bundesregierung seien sich einig: „Jetzt ist die Zeit, in der sich entscheidet, ob wir uns erfolgreich gegen diese Entwicklung stemmen können oder ob uns die Zahlen in Richtung Winter und Weihnachten davonlaufen.“ Wenn es so komme, werde sich das früher oder später auch in den Krankenhäusern und Intensivstationen wieder zeigen, sagte Seibert.

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