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Corona-Inzidenzen : Lauterbach rechnet mit einer „Sommerwelle“

  • Aktualisiert am

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Montag in Berlin Bild: dpa

Die Corona-Zahlen steigen wieder, die Hoffnungen in den neuen Impfstoff erfüllen sich nicht, der Gesundheitsminister fürchtet die Entwicklung im Sommer. Nun wird debattiert, wie Schutzmaßnahmen nach dem 20. März aussehen könnten.

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          Bei der Entwicklung der Corona-Infektionen in Deutschland scheint sich eine Trendwende abzuzeichnen. Nach längerem Rückgang ist die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz nun am fünften Tag in Folge gestiegen, wie aus Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervorgeht. Das RKI registrierte am Montag 78.428 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Das sind 16.079 Fälle mehr als am Montag vor einer Woche, als 62.349 positive Tests gemeldet wurden. Zudem stieg die Sieben-Tage-Inzidenz den fünften Tag in Folge. Der Wert kletterte auf 1259,2 von 1231,1 am Vortag.

          Der Anstieg könnte auf die noch leichter übertragbare Omikron-Subvariante BA.2 zurückzuführen sein, die mittlerweile vorherrschend sein dürfte. Basierend auf dem Ausbreitungstempo von BA.2 hatten Modellierer von der TU Berlin vor rund zwei Wochen mitgeteilt, mit einem Wiederanstieg der Infektionszahlen sei ab Ende Februar zu rechnen.

          Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zeigte sich besorgt über die Zahlen. Es werde sich weiter bemerkbar machen, dass die Omikronvariante BA.2 noch ansteckender sei als die ursprüngliche Omikronvariante, sagte er am Montag in Berlin. Am Wochenende hatte er vor einem weiteren Anstieg im Sommer gewarnt und die Beibehaltung weitreichender Schutzmöglichkeiten auch über den 20. März hinaus gefordert . „Wir müssen mit einer Sommerwelle rechnen“, sagte Lauterbach den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Sowohl die Delta- als auch die Omikron-Variante seien so infektiös, dass es selbst bei gutem Wetter durch viele Kontakte und den nachlassenden Impfschutz wieder zu steigenden Infektionszahlen kommen könnte. Darauf müsse das Infektionsschutzgesetz ausgerichtet werden.

          Ende von Alltagsbeschränkungen?

          Widerspruch bekam Lauterbach von der FDP, die auf ein weitgehendes Ende von Alltagsbeschränkungen pocht. „Wenn sich die Gefahrenlage entspannt, müssen auch Maßnahmen zurückgefahren werden“, sagte Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) den Funke-Zeitungen. „Man kann nicht bloß präventiv auf Dauer millionenfach Grundrechte beschränken.“ Darauf müsse jede Lösung Rücksicht nehmen. Unterstützung erhält Lauterbach hingegen von den Grünen. Die Parteivorsitzende Ricarda Lang warnte davor, die Corona-Schutzmaßnahmen zu schnell zu lockern.

          Am Freitag waren bereits bundesweit Lockerungen der Corona-Maßnahmen in Kraft getreten, die insbesondere Restaurants, Diskotheken und Veranstaltungen betreffen. Diese Regelungen laufen allerdings schon am 19. März wieder aus. Denn nur bis zu diesem Zeitpunkt erlaubt das Infektionsschutzgesetz die bisherigen Corona-Einschränkungen. Bund und Länder sind sich zwar im Grundsatz einig, dass es auch vom 20. März an weiter einen gewissen Basisschutz geben soll. Doch über dessen genaue Ausgestaltung gibt es noch keine Einigung.

          Ärztepräsident Klaus Reinhardt rief dazu auf, möglichst überall im öffentlichen Raum weiterhin FFP2-Masken zu tragen. Die Lockerungen seien trotz des jüngsten Wiederanstiegs der Corona-Inzidenzwerte aber richtig. Im künftigen Umgang mit der Pandemie sei entscheidend, „dass Menschen lernen, durch eigenverantwortliches Handeln im Alltag mit Ansteckungsrisiken vernünftig umzugehen“, sagte er der „Rheinischen Post“. Dazu zähle vor allem, sich vollständig impfen zu lassen.

          „Noch keinen Run“ auf neuen Impfstoff

          Hoffnungen auf eine steigende Impfbereitschaft dank des neuen Impfstoffs von Novavax erfüllen sich bisher allerdings nicht. Der Deutsche Städtetag meldete eine bisher nur geringe Nachfrage nach dem Proteinimpfstoff, der auf einer anderen Technologie als die bisher zumeist eingesetzten mRNA-Präparate basiert, denen manche Menschen misstrauen. Auf Nuvaxovid gebe es in den Impfzentren „noch keinen Run“, sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er zeigte sich dennoch optimistisch, dass zögerliche Menschen noch von einer Impfung überzeugt werden könnten. Immer noch sind fast 20 Millionen Menschen in Deutschland ungeimpft.

          Die Abstimmung über die allgemeine Impfpflicht soll Anfang April im Bundestag stattfinden. Die federführenden Politiker der beiden Gruppenanträge für eine Impfpflicht, der stellvertretende SPD-Fraktionschef Dirk Wiese und der FDP-Gesundheitspolitiker Andrew Ullmann, sagten der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“, sie erwarteten trotz der politischen Herausforderungen durch den Krieg in der Ukraine keine weiteren Verzögerungen im parlamentarischen Ablauf.

          Die erste Lesung der Gruppenanträge sei nach wie vor für den 17. März angesetzt. Wiese und Ullmann appellierten an die Unionsfraktion, bei der geplanten freien Abstimmung tatsächlich den Fraktionszwang aufzuheben. Die Impfpflicht sei keine parteipolitische Frage, sagte Ullmann. „Da sollte man auch seinen eigenen Abgeordneten einen Gewissensspielraum lassen.“

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