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Intensivmediziner besorgt : Schwerkranke Patienten auf den Fluren

Eine Fachärztin ist auf der Covid-19 Intensivstation im Städtischen Klinikum Dresden mit der Versorgung eines Corona-Patienten beschäftigt. Bild: dpa

Intensivmediziner fordern von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn flächendeckende Impfungen und den „2-G-Lockdown“. Schon jetzt kommen die Kliniken an ihre Kapazitätsgrenzen.

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          Die Fachgesellschaft der Intensivmediziner (DGAI) sowie der Berufsverband Deutscher Anästhesisten (BDA) haben den geschäftsführenden Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sowie die Landesregierungen in einem Brandbrief aufgefordert, mit sofortigen Maßnahmen zu versuchen, die vierte Corona-Pandemiewelle einzudämmen. Schon jetzt könne in vielen Regionen Deutschlands die Akutversorgung von Tumor- oder Notfallpatienten (Herzinfarkte/Schlaganfälle) wegen der starken Auslastung der Intensiv- sowie Intermediate-Care-Stationen nicht mehr gewährleistet werden.

          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          „Uns geht es um die Sicherstellung einer guten medizinischen Versorgung. Leider müssen schon jetzt in einigen Kliniken schwerkranke Patienten auf den Fluren untergebracht werden“, sagte Götz Geldner, Präsident des Anästhesisten-Berufsverbandes und Chefarzt des Klinikums Ludwigsburg der F.A.Z.

          Die Intensivmediziner fordern im Einzelnen die Einführung der 2-G-Regel „in allen Bereichen des öffentlichen Lebens“. Wo das nicht möglich sein sollte, müsse es strikte Kontaktbeschränkungen geben. Außerdem verlangen die Ärzte von Spahn eine grundlegende Veränderung der Impfpolitik: Es müsse wieder flächendeckende Impfangebote geben, alle Bürger müssten unverzüglich die dritte Auffrischimpfung erhalten. Die „Überregulierung der Impfmaßnahmen“ müsse endlich beendet werden. Außerdem müsse es weitere Aufklärungskampagnen zur Steigerung der Impfwilligkeit geben.

          Die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht zur Vermeidung einer schweren Corona-Infektion halten die Verbände medizinisch zwar für geboten, es handle sich letztlich aber um eine politische Entscheidung, deshalb müsse man diese Frage der geschäftsführenden und der künftigen Bundesregierung überlassen. Vor allem die Intensivmediziner aus den östlichen Bundesländern schrecken vor einer allgemeinen Impfpflicht zurück, weil Impfärzte und medizinisches Personal dort schon jetzt vielfach von militanten Impfgegnern, Anhängern der AfD sowie der „Querdenker“-Bewegung bedroht würden.

          In Süddeutschland können zahlreiche Kliniken schon jetzt keine Corona-Intensivpatienten mehr aufnehmen; in Baden-Württemberg sind die Regionen Karlsruhe, Pforzheim, Esslingen und Heidenheim besonders belastet. In Bayern müssen derzeit Kliniken in Südostbayern, zum Beispiel in Traunstein, Corona-Patienten in andere Bundesländer verlegen.

          Zu Beginn der vierten Welle habe es sich bei den Patienten, die mangels einer Impfung schwer an Corona erkrankt seien, größtenteils um Menschen aus Einwandererfamilien gehandelt. Das habe sich im weiteren Verlauf geändert. Gerade in Bayern sei das nun anders, dort dominierten jetzt Deutsche ohne Impfschutz.

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