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Vierte Welle droht : Spahn warnt vor Corona-Inzidenz von 800 im Oktober

  • Aktualisiert am

Warnt: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf der Bundespressekonferenz am Mittwoch Bild: EPA

Angesichts sinkender Impfquoten und der hochansteckenden Delta-Variante mahnt der Gesundheitsminister: Die Erfolge der vergangenen Monate sollten nicht verspielt werden.

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          Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat vor einem drastischen Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland gewarnt. Im September schon könne die Marke von 400 und im Oktober die von 800 überschritten werden, wenn sich die derzeitige Entwicklung fortsetze, sagte Spahn am Mittwoch in Berlin. Man habe aktuell bereits eine sehr schnelle Steigerung der Infektionszahlen. Das Robert-Koch-Institut hatte am Mittwoch eine Sieben-Tage-Inzidenz auf 11,4 gemeldet. Binnen zwölf Tagen hat sich der Wert damit mehr als verdoppelt. Die Zahl gibt an, wie viele Menschen sich auf 100.000 Einwohnern innerhalb einer Woche neu anstecken.

          Spahn warnte in einer Pressekonferenz mit Innenminister Horst Seehofer (CSU) davor, aus den derzeit noch niedrigen Zahlen die falschen Schlüsse zu ziehen. Denn der sogenannte R-Wert, der angibt, wie viele andere Menschen eine Infizierte oder ein Infizierter im Schnitt ansteckt, liege über dem kritischen Wert von eins. Die Verdopplungszeit der Zahlen sei gesunken. „Jetzt im Juli wird entschieden, wie die Situation im Herbst sein wird“, mahnte Spahn. Man müsse alles tun, um die Zahlen möglichst niedrig zu halten, etwa durch eine konsequente Nutzung der Schutzmasken. Spahn erinnerte auch daran, dass Ziel auch der Bundesländer sei, die Schulen im Herbst möglich offen zu halten.

          Der Anstieg dürfte auch die Debatte beschleunigen, ab welchen Grenzwerten neue Corona-Beschränkungen greifen sollen. Etliche Ministerpräsidenten hatten eine Klärung bis Ende Juli gefordert. Die ersten Landkreise liegen jetzt bereits wieder über einem Wert von 50, zwei Berliner Bezirke über der Inzidenz von 35, die früher für Bund und Länder als Richtschnur galten.

          Spahn verwies darauf, dass man nicht auf die alten Grenzwerte zurückgreifen könne, weil durch die höhere Impfquote etwa die Zahl der Hospitalisierungen und Corona-Patienten auf Intensivstationen geringer sei als früher. Damit verändert sich die Grenze, ab der eine Überlastung des Gesundheitswesen zu befürchten ist – was ebenfalls ein Beurteilungsmaßstab für Beschränkungen ist. Es scheine so zu sein, dass „200 das neue 50 ist“, sagte Spahn zu früheren Grenzwerten für Beschränkungen. Man dürfe aber nicht solange warten, bis hohe Zahlen wieder erreicht seien.

          Der Gesundheitsminister hatte zuvor an die Bevölkerung appelliert, sich impfen zu lassen. Mittlerweile sind nach Angaben der Bundesregierung mehr als 50 Millionen Menschen in Deutschland mindestens einmal geimpft. Das sind 60,2 Prozent der Gesamtbevölkerung. 39,3 Millionen Menschen oder 47,3 Prozent seien vollständig geimpft. „Aber das reicht noch nicht gegen Delta: Bitte lassen Sie sich impfen“, twitterte der CDU-Politiker mit Verweis auf die ansteckendere Virus-Variante, die auch in Deutschland mittlerweile vorherrschend ist. Zuletzt war das Tempo der Impfkampagne gesunken. Die Gesundheitsminister der Länder hatten deshalb am Montag beschlossen, nun verstärkt im Alltag Impfangebote zu machen. Das RKI hat als Zielmarke eine Impfquote von 85 Prozent der zwölf bis 59 Jahre alten Menschen in Deutschland ausgegeben.

          Führende Politiker von CDU, CSU und SPD hatten einen abermaligen Lockdown im Herbst zuletzt mit Hinweis auf die wachsende Anzahl Geimpfter ausgeschlossen. Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte sogar eine weitgehende Aufhebung der Corona-Beschränkungen im August gefordert. Der Intensivmediziner Uwe Janssens macht die Politik deshalb für die relative Impfmüdigkeit der Deutschen mitverantwortlich: „Das Signal der Politiker, alles wieder zu öffnen und den Leuten das Gefühl zu geben, alles ist wieder gut, das war ein Schritt zu schnell“, sagte er bei RTL/ntv. Zugleich warnte er vor den Konsequenzen: „Wir wissen aus verschiedenen Berechnungen, dass, wenn wir es nicht schaffen, 85 Prozent der 59- bis 70-Jährigen zu impfen, dann haben wir im Herbst ähnliche Zustände auf den Intensivstationen wie Anfang des Jahres, bis zu 6000 Intensivpatienten.“ Am Mittwoch lag die Zahl der in Kliniken registrierten Corona-Intensivpatienten bei 353.

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