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Corona-Infektionen : Nachverfolgung kaum noch möglich

In Hannover testet eine Helferin Insassen eines Autos im Testzentrum am Zoo auf das Coronavirus. Bild: dpa

Bei der Kontaktnachverfolgung stoßen die Gesundheitsbehörden auf immer merkwürdigere Erinnerungslücken. Apps und Listen erweisen sich weitgehend als nutzlos.

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          Die Gesundheitsbehörden klagen über zunehmende Verweigerung von Corona-Infizierten, bei der Nachverfolgung ihrer Kontakte mitzuwirken. In der Region Hannover berichten die Behörden von einem Fall, bei dem der Gast einer Hochzeitsfeier im Nachhinein angab, nicht zu wissen, um wessen Hochzeit es sich gehandelt habe.

          Reinhard Bingener
          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Die Gesundheitsbehörde in Bremen kennt ähnliche Fälle. Ein Sprecher berichtet von Corona-Infizierten, die im Kino waren und sich angeblich weder an den Namen des Films noch an ihre Begleiter erinnern können.

          „Aktuell behauptet im Schnitt jeder Zweite, der positiv getestet wurde, überhaupt niemanden getroffen zu haben“, sagte Hergen-Herbert Scheve, der bei der Region Hannover für die öffentliche Gesundheit zuständig ist. „Im Schnitt erfassen wir 2,2 Kontaktpersonen pro Indexfall“, sagt Scheve. Dies bilde sicherlich nicht die Realität ab.

          In Bremen lag die Zahl der erfassten ungeimpften Kontaktpersonen in der vergangenen Woche immerhin bei 3,74, allerdings mit deutlich rückläufiger Tendenz. Vor sechs Wochen hatte die Zahl noch bei 7,5 gelegen.

          Furcht vor Quarantäne

          Als Grund für die mangelnde Kooperationsbereitschaft führen die Gesundheitsbehörden die Furcht vor Quarantäneanordnungen im persönlichen Umfeld an. Der Sprecher der Bremer Gesundheitsbehörde, Lukas Fuhrmann, vermutet, dass manchmal auch verhindert werden soll, dass die behördlichen Maßnahmen Urlaubspläne durchkreuzen. Womöglich gebe es auch Angst, gegen geltende Kontaktbeschränkungen verstoßen zu haben, etwa durch Treffen mit mehr als zehn ungeimpften Personen.

          Hinzu kommt, dass sich die meisten Corona-Infektionen gegenwärtig inzwischen in einem bestimmten Ausschnitt der Gesellschaft ereignen. Sowohl Bremen wie auch Hannover berichten, dass bei mehr als 90 Prozent der bekannten Corona-Infektionen kein vollständiger Impfschutz vorliegt. „Fast alle Infizierte sind zudem jung“, sagt der Bremer Behördensprecher. Dieser Teil der Bevölkerung habe mehr Kontakte, und bei der Ansteckung spielten Feiern, Kneipenbesuche und womöglich eine gewisse Sorglosigkeit eine größere Rolle.

          Die Apps und Listen zur Nachverfolgung von Kontakten erweisen sich für die Behörden praktisch als wertlos. Die Bremer Gesundheitsbehörde berichtet, man habe die Daten der Luca-App insgesamt bloß fünfmal sinnvoll nutzen können. Bei ausgelegten Listen sehe die Bilanz nicht besser aus.

          Strategiewechsel in NRW

          Das Land Nordrhein-Westfalen ist vor wenigen Tagen dazu übergegangen, auf die Hinterlegung persönlicher Daten zu verzichten. Auch das Land Baden-Württemberg erwägt eine vergleichbare Strategieänderung. In Bremen ist das nicht geplant. „Das Contact Tracing bleibt bestehen und ist besonders wichtig innerhalb der Familie, am Arbeitsplatz und vor allem in vulnerablen Einrichtungen“, sagt Behördensprecher Fuhrmann.

          Auch die Region Hannover hält an der bisherigen Strategie fest und versucht nun, die Kooperationsbereitschaft durch eine mehrsprachige Social-Media-Kampagne mit dem Titel „Keine Angst vor Quarantäne“ zu erhöhen. In der Kampagne wird auch darauf hingewiesen, dass Kontaktpersonen nicht in Quarantäne geschickt werden, wenn sie geimpft sind.

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