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Coronavirus und Pegida : Nur vereinzelter Applaus

  • -Aktualisiert am

Ein Pegida-Anhänger mit Mundschutz am Montagabend in Dresden. Bild: EPA

Seit diesem Montag müssen die Sachsen beim Einkaufen sowie in Bus und Bahn eine Maske tragen. Die Bürger nehmen es gelassen hin. Empörung gibt es in Dresden dennoch – weil Pegida wieder demonstrieren darf.

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          Das ältere Ehepaar geht am Montagvormittag zügig an der langen Menschenschlange vorbei, die sich durch die Dresdner Innenstadt gebildet hat. „Furchtbar, diese Obrigkeitshörigkeit“, sagt beim Anblick der vielen Menschen kopfschüttelnd und deutlich hörbar die Frau zu ihrem Mann. Mit dieser Meinung ist sie hier in der Minderheit. Bereits eine Stunde vor Beginn der Ausgabe von kostenlosen Mund-Nasen-Schutzmasken am Dresdner Rathaus haben sich die ersten Menschen angestellt, sodass die Stadtverwaltung schon vorab mit der Verteilung begann. Geduldig, aber nicht immer die anderthalb Meter Mindestabstand einhaltend, rücken die Wartenden vor. „Es geht ziemlich schnell“, sagt eine junge Frau, die noch zwanzig Meter bis zur Ausgabe hat. „Nicht mal eine halbe Stunde“ habe sie gewartet. Die Menschen vor und hinter ihr nicken. Sehr sinnvoll sei das alles - und gut, dass die Stadt etwas tue.

          Stefan Locke
          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          So viel Einvernehmen mit der Politik gab es in Dresden zuletzt selten. Auch als sich Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) vor der Goldenen Pforte des Rathauses für Interviews blicken lässt, wird er freundlich empfangen. Hilbert hatte bereits in der vergangenen Woche entschieden, für Dresden eine Mund-Nasen-Schutz-Pflicht in der Öffentlichkeit zu erlassen, dann beschloss am Freitag auch die Landesregierung eine solche für den ganzen Freistaat, als erstes Bundesland überhaupt. Hilbert bemängelt, die Entscheidung der Landesregierung sei „sehr kurzfristig“, bezeichnet sie aber als „inhaltlich sehr richtig“.

          Mund und Nase zu bedecken, sei in diesen Zeiten überall dort richtig, wo Menschen aufeinandertreffen. „Nur so können wir langsam ins öffentliche Leben zurückkehren.“ Die Pflicht, den Schutz zu tragen, gilt nun landesweit in Bussen, Bahnen und beim Einkaufen - und in Dresden darüber hinaus auch am Arbeitsplatz, sofern mehrere Menschen auf engem Raum zusammenarbeiten.

          „Absolut in Ordnung, das sollte bundesweit gelten“, sagt ein Mann, dem soeben mit Masken und Einweghandschuhen ausgerüstete Rathaus-Mitarbeiter zwei Schutzmasken in die Hand gedrückt haben. „Wenn wir das jetzt nicht machen, geht der ganze Schließungs-Zirkus doch in ein paar Wochen wieder los.“ Er jedenfalls werde seine Maske von nun an tragen. „Auch weil ich keine 150 Euro bezahlen will!“ Diese Strafe freilich gibt es nicht. Für die Durchsetzung der Pflicht sind die Ladeninhaber verantwortlich, im öffentlichen Nahverkehr kontrolliert die Polizei, in dieser Woche allerdings noch nachsichtig, wie Hilbert betont. Auch danach werde aber kein Bußgeld drohen, stellte die Landesregierung klar. Vielmehr gehe es darum, bei den Menschen ein Bewusstsein für die Notwendigkeit zu erzeugen.

          Hilbert sagte, er habe mit Genugtuung gesehen, dass in den Bahnen am Montag schon etwa 80 Prozent der Menschen eine Maske trügen. Das sei ein großer Fortschritt gegenüber der vergangenen Woche, zeige aber auch, dass völlige Freiwilligkeit wohl nicht ausreiche. „Jeder sollte in den nächsten Tagen eine Maske haben“, sagt Hilbert, der die Masken von Dienstag an auch in allen Ortsämtern verteilen lassen will. 200.000 Stück für zusammen rund 100.000 Euro hatte Dresden in der vergangenen Woche bei zwei Mittelständlern in der Stadt bestellt, die für die Herstellung am Wochenende Sonderschichten eingelegt haben.

          Die Masken seien waschbar und könnten mehrfach verwendet werden. Darüber hinaus haben zahlreiche Läden Masken verschiedenster Art im Angebot, die sich viele Einwohner bereits in den vergangenen Tagen besorgt haben, auch in Heimarbeit rattern derzeit Nähmaschinen, stellen Nachbarschaftsinitiativen Mund-und-Nasenschutz her. Hilbert lobt das als vorbildlich, erklärt aber zugleich und auch mit Blick auf den Freistaat, dass Material bereitstellen müsse, wer eine solche Pflicht erlasse.

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