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Corona in Kliniken : Sollen infizierte Ärzte weiterarbeiten?

Ein Intensivpfleger arbeitet auf der Intensivstation eines Krankenhauses in Berlin an einem Corona-Patienten Bild: dpa

Immer mehr Ärzte und Pfleger stecken sich mit dem Coronavirus an. Was passiert, wenn dadurch die Versorgung von Patienten in Gefahr gerät? Gesundheitsminister Spahn sagt: Notfalls sollen infizierte Ärzte weiterarbeiten.

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          Nachdem der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, vor den Folgen steigender Coronavirus-Infektionen unter medizinischem Personal gewarnt hatte, ist nun eine Debatte über den Umgang mit infizierten Ärzten und Pflegern ausgebrochen. 

          Kim Björn Becker

          Redakteur in der Politik.

          Wieler hatte gesagt, das Personal stelle zunehmend einen Engpass dar. „Durch hohe Infektionszahlen sind auch mehr Mitarbeiter betroffen, die im Krankenhaus arbeiten.“ Es komme zunehmend zu akuten Einschränkungen des Betriebs aufgrund von Personalmangel. Seit dem Beginn der Pandemie haben sich mehr als 21.000 Mitarbeiter in Krankenhäusern und Arztpraxen mit dem Virus infiziert. 812 Personen mussten deswegen selbst ins Krankenhaus, 25 starben an oder mit dem Virus. Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts sind aktuell mehr als 1700 Ärzte und Pfleger Corona-infiziert.

          Zum Abschluss des Deutschen Pflegetags hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Donnerstag gesagt, es könne nötig sein, dass Ärzte oder Pfleger, die Kontaktpersonen von Infizierten sind, notfalls mit täglichen Corona-Tests und speziellen Atemschutzmasken weiterarbeiten. Dies gelte zumindest dann, wenn die Versorgung der Bewohner von Pflegeheimen oder von Patienten in Krankenhäusern sonst zusammenbrechen könnte. Spahn erklärte daraufhin am Freitag, es handele sich dabei um eine Empfehlung des Robert-Koch-Instituts, die nicht neu sei. Es gehe um absolute Notsituationen. Demnach könne sogar infiziertes Pflegepersonal bei akuter Personalknappheit möglicherweise die Quarantäne verkürzen oder bei Symptomfreiheit unter bestimmten Voraussetzungen weiter in der Versorgung eingesetzt werden.

          „Politischer Offenbarungseid“

          Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, kritisierte das. „Corona-Infizierte weiterarbeiten zu lassen, ist der politische Offenbarungseid“, sagte Brysch am Freitag in Dortmund der Katholischen Nachrichtenagentur. Notwendig sei stattdessen „ein systematischer und täglicher Einsatz von Schnelltests bei allen Mitarbeitern in Krankenhäusern und Heimen“. Dann liege innerhalb von 20 Minuten das Ergebnis zu einer möglichen Ansteckung vor. Labormediziner warnen allerdings, dass der Schnelltest nicht so genau sei wie der klassische PCR-Test, dessen Auswertung länger brauche und stets im Labor vorgenommen werden müsse. 

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          Der frühere Präsident der Bundesärztekammer und derzeitige Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery sagte, ein Einsatz infizierter Ärzte und Pfleger sei als letzte Maßnahme möglich. „Wenn es gar nicht anders geht, ist es immer noch besser, dass ein symptomfrei an Covid erkrankter Arzt sich um einen Patienten kümmert, als dass sich niemand um ihn kümmert“, sagte Montgomery. Das sei zwar ein sehr bedauerlicher Zustand. „Aber es kann sein, dass es dazu keine Alternative gibt“. Montgomery stellte darüber hinaus klar, dass dieses medizinische Personal sich ausschließlich um Corona-Patienten kümmere.

          „Absolute Notmaßnahmen“

          Auch der Bundesvorsitzende des Verbands der niedergelassen Ärzte Deutschlands, Dirk Heinrich, sagte, ein Einsatz Corona-infizierter Pflegekräfte werde sich kaum vermeiden lassen, wenn die Personalzahl nicht mehr ausreiche. „Das sind natürlich absolute Notmaßnahmen, und um diese zu vermeiden, sind jetzt ja diese Maßnahmen, die wir gemeinsam mit der Bevölkerung durchführen, ja absolut notwendig“, sagte er.

          Das Universitätsklinikum in Halle hat unterdessen mit einem Massentest begonnen. Etwa 4000 Mitarbeiter würden einem Corona-Schnelltest unterzogen, sagte Oberbürgermeister Bernd Wiegand am Freitag. Mit Ergebnissen sei Mitte kommender Woche zu rechnen. Zuvor habe es drei Infizierte an der Klinik gegeben.

          Auch in anderen Ländern wird darüber diskutiert, ob positiv getestete Ärzte weiter an Patienten arbeiten sollen. Im amerikanischen Bundesstaat North Dakota erlaubte der Gouverneur inzwischen positiv getesteten Ärzten ohne Symptome, weiter auf Corona-Stationen zu arbeiten.

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