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Corona in Göttingen : Ein ehrenwertes Haus

Iduna-Zentrum in Göttingen Bild: Daniel Pilar

Göttingen hatte das Coronavirus gut im Griff, dann kam es zu einem Ausbruch im sozialen Brennpunkt. Die Verwaltung macht mehrere Großfamilien dafür verantwortlich. Doch die Bewohner der Hochhaussiedlung fühlen sich stigmatisiert.

          6 Min.

          Die Geschichte des Iduna-Zentrums in Göttingen scheint schnell geschrieben. 17 Stockwerke, mehr als 400 Wohnungen, gut 600 gemeldete Bewohner, in Wahrheit vermutlich eher 700. Unter ihnen Arbeitslose, Studenten, Flüchtlinge, Migranten, Drogensüchtige, Rentner. Auf dem abgesperrten Parkplatz vor den Hochhäusern stehen Autos ohne Nummernschilder, die meisten Fahrräder vor den Haustüren haben verbogene Laufräder oder keinen Sattel mehr. In einem Aufzug in der Nummer sechs steht eine Liebeserklärung auf Russisch, im zwölften Stock ist eine der gläsernen Flurtüren zerborsten, auf einer anderen beleidigt ein Graffito Drogensüchtige als „Dreck“; die Antwort eines anderen darauf heißt nur: „Kanacken“. Dieser Ort ist der Inbegriff eines sozialen Brennpunkts. Oder, wie die „Bild“-Zeitung vergangene Woche titelte, ein „berüchtigter Corona-Block“.

          Sofia Dreisbach

          Redakteurin in der Politik.

          Der Hochhauskomplex am nördlichen Innenstadtrand ist in der Pandemie zur größten Herausforderung für Göttingen geworden. Im Mai hatte es wochenlang kaum neue Corona-Fälle in Stadt und Landkreis gegeben – dann folgte der massenhafte Ausbruch im Iduna-Zentrum. Von aktuell 146 Infizierten in der Stadt leben die allermeisten dort im Maschmühlenweg, keine zehn Minuten vom Hauptbahnhof und der Einkaufsstraße entfernt, neben Finanzamt und Landgericht, und doch in einem eigenen Kosmos.

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