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Pandemie-Politik : Mutloses Deutschland

  • -Aktualisiert am

Erste Bewährungsprobe: SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz mit der Grünen-Vorsitzenden Annalena Baerbock (l.), dem FDP-Vorsitzenden Christian Lindner (hinten) und der SPD-Vorsitzenden Saskia Esken Bild: dpa

Zu kurzsichtig, zu kleinteilig, zu unentschlossen, und dann auch noch wortkarg: die deutsche Pandemie-Politik macht viele Bürger ratlos. Dabei geht es anders.

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          Schon zu weniger drama­tischen Pandemiezeiten ist Lothar Wieler ein Mann klarer Worte. So heftig wie am Mittwoch ist ihm aber öffentlich noch nie der Kragen geplatzt. Deutschland laufe in eine „schlimme Notlage“ und werde ein „schlimmes Weihnachtsfest“ erleben, prophezeite der RKI-Chef und kritisierte die Corona-Politik scharf: zu träge, zu nachlässig, zu schnell zu viel ge­öffnet, obwohl die Szenarien für den Winter seit Juli bekannt gewesen seien. Nach 21 Monaten, schimpfte Wieler, könne er es nicht mehr ertragen, dass ihm und den Vi­rologen nicht zugehört werde.

          Tatsächlich war die Corona-Lage in Deutschland noch nie so dramatisch wie in diesem zweiten Pandemiewinter – nur hat man leider noch immer nicht den Eindruck, dass die deutsche Politik dieser Dramatik auch entschlossen entgegentritt. Es ist wie ein Déjà-vu: Wie vor einem Jahr hat die Politik seit dem Sommer, als die Infektionszahlen noch trügerisch niedrig waren, be­schwichtigt und abgewartet. Und selbst jetzt noch, da die Infektionskurve wie eine Senkrechte aufragt, beschäftigen sich die Parteien, wie am Donnerstag im Bundestag, mehr mit gegenseitigen Schuldzuweisungen und parteipolitischem Gezänk als mit pragmatischen Lö­sungen.

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