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Infektionsgeschehen in Berlin : Schluss mit Party?

Regierender Bürgermeister von Berlin: Michael Müller (SPD) Bild: dpa

In Berlin steigen die Corona-Zahlen über den kritischen Wert von 50 Fällen je 100.000 Einwohner. Die Politik plant Einschränkungen. Kommt jetzt ein Alkoholverbot?

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          Die Bewohner Berlins müssen von neuen Beschränkungen angesichts der wieder steigenden Zahl von Corona-Infektionen in der Hauptstadt ausgehen. Er gehe davon aus, dass „wir tatsächlich auch wieder Einschränkungen vornehmen müssen“, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Donnerstag dem ZDF. Das gelte vor allem für Feiern im öffentlichen Raum. In Berlin gebe es Erkenntnisse, dass sich vor allem junge Leute beim Feiern im Freien ansteckten, es gebe „eine deutlich stärkere Infektionsdynamik als am Tisch in der Gastronomie“, sagte Müller. „Das wird man so nicht zulassen können“, fügte er hinzu. Am Dienstag will der Senat über die weiteren Schritte entscheiden.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Möglich seien „gegebenenfalls auch Alkoholverbote“. Müller verwies auf das Vorgehen in München, „wo man in den nächtlichen Stunden unter freiem Himmel auch nicht mehr so feiern darf“. Einschränkungen seien „dringend geboten“. In Berlin wird diskutiert, ob der Außer-Haus-Verkauf von Alkohol, etwa in den beliebten nachts geöffneten „Spätis“, eingeschränkt werden soll. In Berlin sind besonders die Innenstadtbezirke Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln betroffen, wo viele junge Leute leben und wo Partys in Parks gefeiert werden. Mit den besonders betroffenen Bezirken wolle man eigene Verabredungen treffen, es müsse aber auch für ganz Berlin neue Maßnahmen geben, so Müller. Schon vereinbart sind Kontrollen in Clubs in den drei Bezirken.

          Laut der Gesundheitsverwaltung ist die Zahl der gemeldeten Corona-Infektionen in Berlin innerhalb eines Tages um 199 gestiegen, das ist seit Wochen der höchste Wert. In Friedrichshain-Kreuzberg stieg die Fallzahl pro 100000 Einwohner in den letzten sieben Tagen auf 51,7 und damit über den kritischen Wert von 50. Insgesamt wurden in der Hauptstadt in sieben Tagen 26,1 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner gemessen. Als kritischen Wert hat der Senat 30 Neuinfektionen festgelegt.

          Müller geht davon aus, dass Lockerungen, die für den Rest des Jahres geplant waren, ausgesetzt werden. Es könnte „wieder ein paar Rückschritte geben“, wenn es um die maximale Teilnehmerzahl von Veranstaltungen gehe. Eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum „sehe ich für Berlin noch nicht“, sagte der Regierende Bürgermeister.

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