https://www.faz.net/-gpf-afp5k

Baden-Württemberg : So soll der Präsenzunterricht gelingen

Bild: dpa

Einen abermaligen Lockdown zulasten von Schülern will Baden-Württembergs Kultusministerin in jedem Fall vermeiden. Nun hat sie bekannt gegeben, wie er verhindert werden soll.

          2 Min.

          In Baden-Württemberg will die grün-schwarze Landesregierung mit der Aufrechterhaltung der Maskenpflicht und häufigeren Corona-Tests den Präsenzunterricht im neuen Schuljahr gewährleisten. Quarantäne-Maßnahmen sollen auf absolutes Minimum begrenzt werden. Es sei das Ziel der Schulverwaltung, einen „Lockdown durch die Hintertür“ durch strenge Quarantäne-Maßnahmen zu verhindern, sagte die baden-württembergische Kultusministerium Theresa Schopper (Grüne) am Donnerstag.

          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Am Montag enden in Baden-Württemberg die Ferien. „Wir sind nicht im vollen Normalmodus, unser Ziel ist es aber, einen dauerhaften Präsenzunterricht und zugleich Sicherheit vor dem Virus anzubieten“, sagte Schopper. Die Gesundheitsminister empfehlen weiterhin, bei Infektionsfällen die Schüler einer Klasse für fünf Tage in Quarantäne zu schicken. Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bremen weichen von dieser Empfehlung ab.

          Zur Erreichung dieses Ziel sollen alle Schülerinnen und Schüler, die nicht geimpft oder genesen sind, drei Mal pro Woche getestet werden. Bislang waren nur zwei Tests vorgeschrieben. Wenn PCR-Pool-Tests verfügbar sind, sind zwei Tests pro Woche ausreichend. Allerdings beginnt das intensivere Testen erst am 27. September, also zwei Wochen nach Schulbeginn, weil das Landesgesundheitsministerium die Schulen offenbar erst dann vollständig mit den erforderlichen Tests ausstatten kann.

          Außerdem müssen sich Lehrerinnen und Lehrer sowie alle anderen Schulbeschäftigten, die weder geimpft noch genesen sind, täglich testen lassen. 80 bis 90 Prozent des Lehrpersonals ist mittlerweile geimpft. Die Maskenpflicht bleibt an den 4500 Schulen des Landes mit 1,5 Millionen Schülern bestehen.

          Nur noch Erkrankte sollen in Quarantäne

          Sollte ein Schülerin oder ein Schüler in einer Klasse erkranken, wird zunächst nur dieses Kind in Quarantäne geschickt. Die anderen Schüler sollen dann in den folgenden fünf Tagen täglich getestet werden. Für einen infizierten Schüler bleibt die Quarantäne-Zeit 14 Tage

          Außerdem sollen in schlecht belüftbaren Räumen Luftreiniger aufgestellt werden. Zugelassen sind Geräte mit UV-Technik sowie Hepa-Filtern, allerdings hat das Kultusministerium die technischen Spezifikationen für die Bestellung der Rauluftreiniger nach Angaben des Philologenverbands erst Mitte August veröffentlicht. Für das Raumluft-Programm investiert die Regierung 47 Millionen Euro, weitere 25 Millionen Euro stammen aus einem Bundesprogramm.

          Solle es zusätzlich zur derzeit dominanten Delta-Variante des Corona-Virus weitere Mutationen geben, soll das Pandemie-Konzept für die Schulen überarbeitet werden; bei mehreren Infektionsfällen in einer Schulklasse soll die zuständige Schulleitung mit dem Gesundheitskonzept entsprechende Maßnahmen beraten.

          Kritik kommt vom Philologenverband

          Der baden-württembergische Philologenverband kritisierte die Vorbereitung des Kultusministeriums zum Schulstart und zur Eindämmung der vierten Pandemie-Welle gewohnt scharf: „Wir wissen, dass die Inzidenzen zwei, drei Wochen nach Schulstart in Höhe schnellen, auch weil Kinder- und Jugendliche durch die Delta-Variante Treiber der Pandemie sind“ sagte Ralph Scholl, der Landesvorsitzende des Verbands. Er forderte flächendeckende PCR-Pool-Tests sowie die Ausstattung aller Klassenräume mit Luftfiltern, damit die Viruslast in den Klassenräumen generell reduziert werden könne.  

          Scholl berichtete, dass viele Schulleiter an den Gymnasien pandemiebedingt in diesem Sommer nur zwei Wochen Urlaub hätten machen können und sie durch das Ministerium mit organisatorischen Aufgaben überfordert würden. Zur vorläufigen Bilanz der seit einem halben Jahr tätigen neuen Kultusministerin Theresa Schopper sagte er: „Wir haben ein neues Gesicht, ansonsten ist von Änderungen wenig zu spüren. Frau Schopper ist allerdings verbindlicher und freundlicher.“

          Wegen des pandemiebedingten Unterrichtsausfalls hat die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die das Schuljahr freiwillig wiederholen wollen, deutlich zugenommen. Schopper sprach von etwa 200 zusätzlichen Klassen, die deshalb eingerichtet werden müssten. 630 Lehrerstellen konnten zum Schulbeginn nicht besetzt werden, vor allem an Grundschulen und Förderschulen fehlt weiterhin Personal.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Können steigende Rohstoffpreise dazu führen, dass Händler einige Produkte aus ihrem Sortiment streichen?

          Billig einkaufen im Supermarkt : Kampf um jeden Preis

          Händler und Hersteller streiten über die Preise im Lebensmittelhandel. Die könnten im Supermarkt weiter steigen. Die Folgen zeigen sich für den Verbraucher aber auch schon heute: Einige Produkte verschwinden aus den Regalen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.