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Debatte über Corona-Impfung : Und was ist mit den Kindern?

Ein 14 Jahre alter Jugendlicher wird in Los Angeles gegen Corona geimpft. Bild: EPA

Am Donnerstag wollen Bund und Länder darüber sprechen, wann und wie Kinder immunisiert werden. Gesundheitsminister Jens Spahn will den Rat der Fachleute notfalls ignorieren – doch einige Länder sperren sich dagegen.

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          Erst gab es Ärger um den Corona-Schutz für Senioren, jetzt geht es um die Kinder. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA könnte den Impfstoff von BioNTech, der bisher von 16 Jahren an zugelassen ist, an diesem Freitag auch für Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 15 Jahren genehmigen. An diesem Donnerstag schalten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder zu einem weiteren Impfgipfel zusammen – und der steht nicht gerade unter harmonischen Vorzeichen.

          Kim Björn Becker
          Redakteur in der Politik.
          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Über die Kinderimpfungen gibt es nicht nur zwischen Bund und Ländern Unstimmigkeiten, sondern auch zwischen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Ärzten, Patientenvertretern sowie vor allem der Ständigen Impfkommission (Stiko). Spahn hat vorgeschlagen, nach erfolgreicher Zulassung die Zwölf- bis Fünfzehnjährigen bei der Impfung zu bevorzugen.

          Im ARD-Mittagsmagazin sagte er am Mittwoch, man wolle jedem in der Altersgruppe bis Ende August die Möglichkeit bieten, sich impfen zu lassen – das fällt in der Hälfte der Bundesländer mit dem Ende der Sommerferien und mit dem Unterrichtsbeginn im neuen Schuljahr zusammen. Es müsse aber „absolut klar sein“, dass die Impfung keine Bedingung für die Teilnahme am Schulunterricht sein dürfe.

          Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD), die nach dem Rücktritt von Franziska Giffey auch Familienministerin ist, sagte: „Unsere Zusage gilt: es wird keine Impfpflicht gegen Corona geben – nicht für Erwachsene und auch nicht für Kinder und Jugendliche.“ Lambrecht sagte, sie halte es für „wünschenswert und wichtig“, dass im Sommer jedem Jugendlichen ein Impfangebot gemacht werde.

          Die Einbeziehung der Kinder würde den Ablauf der Impfkampagne noch einmal stark durcheinanderbringen – zum Nachteil für deutlich gefährdetere Gruppen. Davor jedenfalls warnt das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (ZI). Anspruchsberechtigt wären etwa drei Millionen Zwölf- bis Fünfzehnjährige, rechnet das Institut vor. Da derzeit jede Woche nur etwa 1,7 Millionen Dosen des BioNTech-Präparats für Erstimpfungen verfügbar seien – der Rest wird für Zweitimpfungen zurückgehalten –, verzögerten vorgezogene Kinderimpfungen die Immunisierung der Erwachsenen um fast zwei Wochen.

          „Kinder haben ein extrem niedriges Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf“, sagt ZI-Geschäftsführer Dominik von Stillfried. „Sie gegenüber Älteren zu priorisieren, die viel gefährdeter sind, ist schwer nachvollziehbar.“

          Dagegen gebe es gute Gründe, minderjährige Risikopatienten in den Blick zu nehmen – etwa solche, die unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Adipositas litten. Es deutet sich bereits an, dass die Stiko das ähnlich sieht und möglicherweise nur die Impfung von jungen Risikopatienten empfiehlt. Aus dem Gremium ist zu hören, die vorliegende Datenlage von 1000 Teenagern zu Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit reiche für eine wissenschaftliche Bewertung nicht aus. Vermutlich folgt die Empfehlung daher erst deutlich nach der Zulassung.

          Die heikle Frage wird auch Thema beim Impfgipfel von Bund und Ländern an diesem Donnerstag sein. Ob es dort eine Mehrheit für Spahns Position gibt, ist unklar. Mehrere Bundesländer betonten am Mittwoch, sich an die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission halten zu wollen. Zwar wolle man der Diskussion am Donnerstag nicht vorgreifen, hieß es unter anderem aus Nordrhein-Westfalen. Ähnlich äußerte sich auch Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD). Das grundsätzliche Ziel muss sein, Kindern und Jugendlichen ein Impfangebot machen zu können“, sagte Kalayci der F.A.Z.

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