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Strafen gefordert : Tausende Vordrängler wollen sich Impfungen erschleichen

  • Aktualisiert am

Anstehen vor dem Impfzentrum auf dem Hamburger Messegelände Bild: dpa

Die Impfzentren klagen über zunehmende Versuche von Impfwilligen, sich einen Termin zu erschleichen. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz sagt: „Zwar werden Tausende erwischt, aber es fehlt an Sanktionen.“

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          Angesichts zunehmender Versuche von Impfwilligen, sich ungerechtfertigt und teils mit falschen Angaben eine vorzeitige Impfung zu verschaffen, wird der Ruf nach Strafen laut. „Zwar werden Tausende erwischt, aber es fehlt an Sanktionen“, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. „Sich beim Impfen vorzudrängen, ist weiterhin keine Ordnungswidrigkeit.“

          Viele Impfzentren klagen laut einem Bericht des ARD-Fernsehmagazins „Report Mainz“ über die Aggressivität von Impfwilligen und zunehmende Versuche, sich eine vorzeitige Impfung zu erschleichen. Allein das Hamburger Impfzentrum meldete demnach zuletzt 2000 Vordrängler in einer Woche. Um vorzeitig an einen Impftermin zu kommen, würden etwa falsche Alters- oder Berufsangaben gemacht. In München würden bis zu 350 Vordrängler in der Woche erwischt, in Saarbrücken bis zu 140. Der Sprecher der Hamburger Sozialbehörde sagte „Report Mainz“: „Die Stimmung wird aggressiver. Den Menschen ist teilweise sehr klar, dass sie nicht berechtigt sind und trotzdem versuchen sie, sich impfen zu lassen.“

          Acht statt zwei Kontaktpersonen

          Dem Beitrag zufolge geben sich Impfbetrüger oft als höher priorisierte Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen oder Schwangeren aus. Eine pflegebedürftige Person etwa kann zwei Kontaktpersonen benennen, die vorrangig geimpft werden. In einem der Redaktion bekannten Fall schafften es aber statt zwei acht junge und gesunde Leute, sich als Kontaktpersonen impfen zu lassen.

          Nach der Aufhebung der Impfpriorisierung für die Präparate von AstraZeneca und Johnson & Johnson rechnet Brysch damit, dass Impfwillige noch mehr Druck ausüben: „Jetzt werden Vakzine freigegeben. Damit entsteht in den Impfzentren und bei den Hausärzten massiver Druck. Am Patientenschutztelefon erfahren wir von psychischen und physischen Drohgebärden.“

          Insgesamt haben die Impfstellen mittlerweile mehr als 35 Millionen Impfdosen gegen Corona verabreicht – etwas weniger als 27,3 Millionen bei Erstimpfungen und weitere gut 7,8 Millionen bei Zweitimpfungen. 32,8 Prozent der Bevölkerung haben mindestens eine Impfung erhalten, den vollen Impfschutz bislang 9,4 Prozent.

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