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Streit um Kinderimpfungen : Die Entfremdung

Standardimpfungen gehen auf Empfehlungen der Ständigen Impfkommission zurück. Bild: Lakuntza, Nerea

Jahrzehntelang hat die Politik bei Impfungen auf den Rat ihrer Fachleute gehört, doch ausgerechnet bei Corona kommt es zum Bruch zwischen den Regierenden und der Ständigen Impfkommission. Wie konnte das passieren?

          12 Min.

          Am 23. Mai 2021 listete das Robert Koch-Institut in seinem täglichen Lagebericht genau 3648958 bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus auf und 87380 Tote. Es war ein Sonntag, und die größte Impfkampagne in der Geschichte der Bundesrepublik lief ganz passabel, an dem Tag wurden bundesweit 285078 Spritzen gesetzt. Das Ende der Priorisierung stand bevor. Es galt bereits als ausgemacht, dass die Europäische Arzneimittelagentur den Impfstoff des Herstellers BioNTech in Kürze auch für Kinder von zwölf Jahren an genehmigt. Doch es ging nicht nur um diese Zulassung. Politiker, Ärzte, Lehrer und Eltern rätselten vor allem, was wohl die Mitglieder des wichtigsten Fachgremiums in Deutschland zu Kinderimpfungen sagen würden. Wann wird die Ständige Impfkommission eine Empfehlung abgeben? Was steht wohl darin?

          Kim Björn Becker
          Redakteur in der Politik.
          Lucia Schmidt
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ob und welchen Impfstoff ein Arzt seinen Patienten in Deutschland verabreichen darf, ist auf dem Papier allein eine Frage der Zulassung. Die Ständige Impfkommission, die sich selbst STIKO nennt, gibt dazu lediglich Empfehlungen. Keiner ihrer Beschlüsse hat eine unmittelbar bindende Wirkung. Und doch hat das Wort der Fachleute Gewicht. Nach ihren Empfehlungen richten sich Kinderärzte, wenn sie Kleinkinder vor den gefährlichsten Erregern schützen. Auf ihrer Grundlage raten Hausärzte jeden Herbst Millionen Senioren, Schwangeren und chronisch Kranken zur Impfung gegen die saisonale Grippe. Die Beschlüsse der Kommission sind Grundlage für die Entscheidungen, welche Impfungen von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden und ob der Staat die Kosten für etwaige Impfschäden übernimmt.

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