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Kinder impfen : Spahn muss Verantwortung übernehmen

Wann werden sie geimpft? Schüler eines Gymnasiums in Baden-Württemberg. Bild: dpa

Die letzte Entscheidung, ob sie ihre Kinder gegen das Coronavirus impfen lassen, obliegt den Eltern. Die Politik aber muss das Für und Wider der Impfung möglichst deutlich machen. Sie trägt Verantwortung für ihre Kampagne – und deren Folgen.

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          Die Impfkampagne ist weder ein Befehl noch Ersatz für Demokratie und bürgerliche Freiheiten. Sie ist gerade das Ergebnis eines gesellschaftlichen Prozesses, an dessen Ende jeder Einzelne eine Entscheidung treffen muss. Niemand wird zwangsweise geimpft, doch muss derjenige, der eine Impfung ablehnt, länger mit Einschränkungen rechnen. Zugleich profitiert er davon, dass andere sich impfen lassen.

          An der Auseinandersetzung, ob Kinder geimpft werden sollten, wird abermals deutlich, dass die Impfung auch mit zugelassenen, gut wirksamen und verträglichen Stoffen ein nicht unerheblicher Eingriff ist. Für Ältere und Risikopatienten, welche die meisten Corona-Opfer stellen, ist dieser Eingriff gut zu rechtfertigen. Bei Kindern hingegen, für die Impfstoff nun erfreulicherweise auch zugelassen ist, sieht die Sache offenbar anders aus. Sie können in der Regel selbst nicht schwer erkranken; ihre Impfung wäre Mittel zum Zweck, eine weitere Verbreitung der Pandemie zu verhindern. Insbesondere Kinderärzte sind eher skeptisch, auch mit Blick auf noch unklare Risiken; die Ständige Impfkommission wird womöglich keine Empfehlung aussprechen, Kinder zu impfen. Anders sieht es die Ethikkommission.

          Man sollte allerdings nicht so tun, als hätten andere Kinderimpfungen ausschließlich den Schutz der Kinder vor schweren Erkrankungen zum Ziel. Auch sonst ist die Impfung gegen „Kinderkrankheiten“, gern in Kombination verabreicht, Teil einer Abwägung und soll auch den Eltern und damit der Gesellschaft Mühe, Zeit und Geld sparen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will die Kinder in die Impfkampagne einbeziehen, zugleich aber die Entscheidung ausdrücklich den Eltern mit ihren Kindern und den Ärzten überlassen. Klar, die Betroffenen müssen (ohnehin) entscheiden. Und auch eine hoffentlich baldige Rückkehr zum Schulalltag ist ein Argument. Aber die Politik muss das Für und Wider möglichst deutlich machen und dafür einstehen. Sie trägt Verantwortung für ihre Kampagne – und deren Folgen.

          Reinhard Müller
          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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