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Erfolg für Curevac : Weiterer Corona-Impfstoff darf am Menschen getestet werden

Das Unternehmen Curevac in Tübingen Bild: dpa

Demnächst sollen Dutzende gesunde Erwachsene in Deutschland den Impfstoff bekommen. Die Zulassung zur Erprobung ging außerordentlich schnell. Das habe aber nichts mit dem Einstieg des Bundes bei dem Unternehmen zu tun.

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          In den nächsten Tagen soll ein weiterer Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus am Menschen getestet werden. Das Paul-Ehrlich-Institut in Langen hat dem Tübinger Unternehmen Curevac erlaubt, mit der klinischen Prüfung zu beginnen. Dabei wird der Impfstoff im Rahmen einer sogenannten Phase-1-Studie an gesunden Freiwilligen getestet. Ende April hatte bereits das Mainzer Unternehmen Biontech diese Genehmigung erhalten.

          Kim Björn Becker

          Redakteur in der Politik.

          Der Impfstoff aus Tübingen soll nun in drei deutschen Testzentren in Tübingen, Hannover und München sowie im belgischen Gent getestet werden. Dafür muss allerdings die zuständige Ethikkommission noch zustimmen. Der Impfstoff wird dann in drei verschiedenen Dosen verabreicht. Für jede Dosis benötigt Curevac 56 Testpersonen; von ihnen sollen jeweils 48 die Impfung bekommen und acht ein Placebo. Die insgesamt 168 Teilnehmer müssen zwischen 18 und 60 Jahre alt sein und bekommen zwei Impfungen im Abstand von einigen Tagen. Ziel der Untersuchung ist es, die Wirksamkeit sowie mögliche Nebenwirkungen der Impfung zu untersuchen. Der Impfstoff war zuvor bereits im Rahmen vorklinischer Untersuchungen an Mäusen getestet worden.

          Der Zulassungsantrag von Curevac wurde innerhalb von neun Tagen vom Paul-Ehrlich-Institut genehmigt. Nach den Worten von Klaus Cichutek, dem Präsidenten der Behörde, sei dies möglich gewesen, weil das Institut einen „erhöhten Personaleinsatz betrieben“ habe und es „intensive Vorgespräche“ mit dem Tübinger Unternehmen gab. „Das ist gut gelaufen“, sagte Cichutek am Mittwoch. Man wolle aber aufgrund der erhöhten Geschwindigkeit bei der Genehmigung „keinen Sorgfaltsverlust erleiden“.

          Am Montag hatte das Bundeswirtschaftsministerium bekanntgegeben, sich mit 300 Millionen Euro an dem Unternehmen Curevac zu beteiligen und rund 23 Prozent der Anteile zu übernehmen. Man wolle es so auch gegen eine mögliche Übernahme aus dem Ausland absichern, hieß es. Auf Geschäftsentscheidungen wolle der Staat aber keinen Einfluss nehmen. Das unterstrich Curevac-Chef Franz-Werner Haas am Mittwoch. Der Einstieg des Bundes habe „keinerlei Konsequenzen auf das operative Geschäft“, sagte er. Auch das Paul-Ehrlich-Institut, das dem Bundesgesundheitsministerium unterstellt ist, versuchte dem möglichen Eindruck entgegenzutreten, dass es nach dem Einstieg des Bundes besonders schnell oder wohlwollend gearbeitet habe. „Diese Entwicklung hat keinerlei Einfluss auf die Bewertungsvorgänge des Instituts“, sagte Cichutek. „Wir treffen unsere Bewertung auf der Basis wissenschaftlicher Daten. Es gibt keine Gefahr, dass da in irgendeiner Form Einfluss genommen wird oder Interessenkonflikte auftreten.“

          Ein Risiko bleibt

          Das Tübinger Unternehmen verspricht sich von dem Impfstoffkandidaten viel. Mariola Fotin-Mleczek, für Technologie zuständiges Vorstandsmitglied bei Curevac, sagte: „Die Immunantwort, die wir auslösen wollen, ist sehr ähnlich der natürlichen Immunantwort". Die vor einer klinischen Studie nötigen Voruntersuchungen seien erfolgreich verlaufen. Die Studienteilnehmer, die den Impfstoff nun bekommen, würden nach der letzten Injektion ein Jahr lang überwacht. „Wir wollen wissen, wie lange der Schutz besteht und wie stabil die Antikörper bleiben“, sagte Fotin-Mleczek. „Wir sind auf diese Daten sehr gespannt.“

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          Nach Angaben von Curevac-Chef Haas sollen die Ergebnisse der ersten Studie im September oder Oktober vorliegen. Danach muss der Impfstoff abermals an einer größeren Gruppe von 10.000 Probanden getestet werden. In dieser zweiten Phase steht die erforderliche Dosis in der Regel bereits fest und es geht darum, auch seltener vorkommende Nebenwirkungen zu entdecken.

          Ganz ohne Risiko ist es für die Probanden nicht, an einer Phase-1-Studie teilzunehmen, auch wenn es sehr selten zu schweren Nebenwirkungen kommt. Theoretisch könnte es passieren, dass der Impfstoff die Infektion noch verstärkt. „Das ist unerwünscht“, sagte Cichutek. Ebenso kann es vorkommen, dass das Immunsystem der Testpersonen anders auf den Impfstoff reagiert als erwartet. Dann könnte es zu Organschäden kommen. „Bisher wurden diese Risiken nicht gezeigt“, sagte Cichutek mit Blick auf die klinischen Forschungsergebnisse. Jeder Impfstoff müsse ein „akzeptables“ Verhältnis von Risiko und Nutzen haben.

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