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Corona-Impfstoff : Der lange Abschied von der Pandemie

Impfstoffentwicklung bei Biontech in Mainz Bild: Picture-Alliance

Schon bald könnte der erste Impfstoff gegen Corona zugelassen werden. Damit ist die Krise aber noch lange nicht vorbei. Bis die letzten Einschränkungen wieder aufgehoben werden, könnte es ein Jahr dauern.

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          Es steht außer Zweifel, dass die Menschheit in ihrem Bemühen voranschreitet, mit den Mitteln der Wissenschaft die Gefahren zu überwinden, die von dem Coronavirus ausgehen. Zwei Hersteller von Impfstoffen, Biontech aus Mainz (zusammen mit Pfizer) und Moderna aus den Vereinigten Staaten, haben jetzt bei der Europäischen Arzneimittelagentur Ema einen Antrag auf Zulassung ihres jeweiligen Vakzins gestellt.

          Die Behörde will bis Ende Dezember über den Antrag von Biontech/Pfizer und bis Mitte Januar über den von Moderna entscheiden. Sollte auch nur einer der beiden Impfstoffe die Zulassung bekommen, kann das große Impfen beginnen. Das wäre, wenn alles gut läuft, der Anfang vom Ende der Pandemie.

          Doch niemand sollte sich etwas vormachen. Selbst wenn schon bald die ersten Personen in Deutschland gegen den Erreger geimpft werden könnten, bedeutet das nicht, dass die Krise schnell vorüber wäre. Der Abschied von Corona wird lang werden. Weil die Herstellung jedes neu zugelassenen Vakzins Zeit braucht und der Stoff gerade überall benötigt wird, stehen nicht sofort genügend Dosen zur Verfügung, um jede Person, wie erforderlich, zweimal zu impfen. Die Priorisierung von Personengruppen nach Dringlichkeit ist daher notwendig.

          Aber es ist absehbar, dass dieses Vorgehen Neider auf den Plan ruft und jenen gesellschaftlichen Strömungen Vorschub leistet, die sich ohnehin von „dem System“ benachteiligt fühlen. Allein das wird die Wartezeit quälend lang erscheinen lassen.

          Um Corona in die Knie zu zwingen, müssen nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation zwischen sechzig und siebzig Prozent der Bürger geimpft werden. In Deutschland liegt die Bereitschaft laut Umfragen um einige Prozentpunkte niedriger. Derzeit ist schwer abzuschätzen, ob das noch zum Problem wird.

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          Deshalb ist es wichtig, trotz der Hoffnung auf ein absehbares Ende der Krise realistisch zu bleiben. Gut möglich, dass erst in einem Jahr so viele Personen geimpft sind, dass wieder größere Veranstaltungen stattfinden können. Erst dann würde sich die neue Normalität wieder so anfühlen wie die alte.

          Kim Björn Becker

          Redakteur in der Politik.

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