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Ausnahme für Soldaten : Sinnvolle Impfpflicht

Testlauf in Treptow: Soldaten nehmen am 23. Dezember 2020 als Statisten an einem Testlauf im Berliner Corona-Impfzentrum teil. Bild: dpa

Vom Versprechen, das Bundesgesundheitsminister Jens Spahn den Deutschen gegeben hat, könnten Soldaten bald ausgenommen sein. Sie sollten nicht die Einzigen bleiben.

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          Noch vor Tagen hatte Jens Spahn angekündigt, dass keinem Deutschen ein Vakzin gegen das Coronavirus aufgezwungen werde. In dieser Pandemie werde es keine Impfpflicht geben, sagte der Bundesgesundheitsminister. Das wäre schon für die Kanzlerin ein beachtliches Versprechen gewesen. Umso mehr war es das für einen Bundesminister, dessen Ressort bei der Pandemiebekämpfung zwar federführend, aber nicht allein verantwortlich ist.

          Nun prüft das Verteidigungsministerium das Gegenteil: Schon bald könnte das, was Spahn angekündigt hat, für die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr nicht mehr gelten. Und das aus gutem Grund. Denn Soldaten sind besonderen Risiken ausgesetzt. Wer im Panzer sitzt, in Pflegeheimen impft oder in Feldlagern im Auslandseinsatz auf engstem Raum zusammenwohnt, kann Mindestabstände nicht einhalten. Überraschen wird das viele in den Streitkräften nicht. Schließlich unterliegen sie ohnehin bereits einer allgemeinen Impfpflicht.

          Das Versprechen des Bundesgesundheitsministers steht mit dem möglichen Beschluss im Verteidigungsressort dennoch in offenkundigem Widerspruch. 185.000 Frauen und Männer sind keine Bagatellgröße, über die man als Ausnahme von der Regel hinwegsehen kann. Im besten Fall zeugt das von Spahns Unwissenheit, im schlimmsten von Gleichgültigkeit gegenüber den Belangen der Soldatinnen und Soldaten.

          Mehr noch aber stellt sich die Frage, ob Spahn mit seinem Versprechen den Bemühungen, die Pandemie einzudämmen, nicht einen Bärendienst erwiesen hat. Wenn die Impfpflicht für Soldaten sinnvoll ist, warum sollte sie es nicht für alle Impfteams sein?

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