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Notfalls beschlagnahmen : Höchste Zeit für ein deutsches Hospitalschiff

  • -Aktualisiert am

Beschlagnahmen? Die „Iona“ befindet sich aktuell noch in den Händen einer deutschen Werft. Sie könnte als Hospitalschiff dienen. Bild: EPA

Unter dem Ansturm schwer erkrankter Corona-Infizierter drohen regional die Krankenhäuser zusammenzubrechen. Deutschland braucht eine mobile Plattform, die das verhindert. Jetzt. Ein Gastbeitrag.

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          Im niedersächsischen Papenburg hat am Mittwoch die „Iona“, das jüngste Produkt der Meyer-Werft, seine Überführung über die Ems angetreten. Das über 2.600 Kabinen verfügende Kreuzfahrtschiff gehört der britischen Reederei P&O Cruises. Es sollte ebenso wie zahlreiche andere Passagierfähren und Kreuzfahrer, die in deutschen Häfen tatenlos festliegen, umgehend für eine schnelle Umrüstung in ein Hospitalschiff angesichts der galoppierenden Coronavirus-Epidemie in Betracht gezogen werden. Aufgrund der gebotenen Eile scheint nur eine staatliche Requirierung sinnvoll, selbstverständlich unter Inkaufnahme von Ausgleichszahlungen. Und sie ist mit Blick auf das rapide sinkende Passagieraufkommens auf den Weltmeeren auch vertretbar.

          Das Verfahren, Handelsschiffe zu beschlagnahmen, orientiert sich an der erfolgreichen Mobilisierung der britischen Marine im Zuge des Falklandkrieges 1982. Damals wurde etwa das Passagierschiff „Uganda“ innerhalb von nur 65 Stunden zu einem Hilfsschiff mit 1.000 Betten umgebaut. Die beiden wesentlich moderneren Spitalschiffe der amerikanische Marine, „Mercy“ und „Comfort“, basieren gar auf zivilen Plattformen der Handelsschifffahrt. Die ehemaligen Frachtschiffe sind an der amerikanischen Ost- und Westküste stationiert. Sie bieten seit über dreißig Jahren Platz für die Pflege von bis zu 1.000 Personen an Bord, zuzüglich von 80 Intensivbetten. Auch China verfügt über ein Hospitalschiff. Die zehn Jahre alte „Daishan Dao“ kommt zwar, was die Aufnahmekapazität betrifft, an die amerikanischen Vorläufer nicht heran. Aber auch sie bietet immerhin noch 300 Krankenhausbetten und 20 Plätze zur intensivmedizinischen Betreuung.

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          Mit Blick auf die die exponentiell steigende Verbreitung des Coronavirus mögen die Betreuungskapazitäten all‘ dieser Schiffe wie ein Tropfen auf den heißen Stein wirken. Diese Annahme unterschätzt aber die Vorzüge eines seegestützten Hospitals. Improvisierte Hospitalschiffe sind geographisch isoliert und beweglich. Sie können so rasch Regionen entlasten, in denen die Einrichtungen an Land angesichts rapide steigender Zahlen schwer erkrankter Infizierter zusammenzubrechen drohen, ohne Infrastruktur vor Ort in Anspruch zu nehmen. Europas Topographie bietet zudem für die Schiffe beste Voraussetzungen. Der Kontinent ist die größte Halbinsel der Welt: Die Nähe zur See bedeutet, dass etwa 80 Prozent der Europäer nicht weiter als 200 Kilometer von der Küste entfernt leben. Ein moderner Rettungshubschrauber schafft es schnell, sogar die doppelte Distanz zurückzuliegen. Damit läge die Millionenstadt Berlin mit knapp 230 Kilometer Entfernung zu Rostock ebenso in Reichweite eines dort vor Anker liegenden Hospitalschiffes wie die aktuell besonders von Corona betroffene Rhein-Ruhr-Region mit etwa 350 Kilometern Distanz zu den Häfen in Emden und Bremen.

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