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Corona-Hilfen : So kommen Studenten an ihr Geld

Hörsaal bleibt leer: An der Universität Mannheim lernen die Studenten von zuhause aus. Bild: dpa

110.000 Studenten haben bislang Unterstützung beantragt. Sie müssen ihre gesamten Finanzen offenlegen. Der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks verteidigt sich gegen Vorwürfe.

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          Seit Juni können Studenten, deren Eltern coronabedingt ihre Arbeit verloren haben und sie deshalb nicht mehr unterstützen können und die ihren Nebenjob zur Studienfinanzierung verloren haben, die sogenannte Überbrückungshilfe des Bundesbildungsministeriums beantragen. Um eine Online-Beantragung zu ermöglichen und damit auch die eigenen Mitarbeiter in den Studentenwerken vor möglichen Infektionen zu schützen, hat das Deutsche Studentenwerk (DSW) in fünf Wochen ein Portal aufgebaut, das ständig verbessert wird. Inzwischen sind 110.000 Anträge allein für Juni und Juli 2020 bei den 57 Studentenwerken vor Ort eingegangen, wie der Generalsekretär des DSW Achim Meyer auf der Heyde der F.A.Z. berichtete.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Zwei Drittel sind schon bearbeitet, die Hälfte wurde genehmigt, was einer Summe von rund elf Millionen Euro entspricht. Insgesamt stehen für die Überbrückungshilfe von Juni bis August dieses Jahres 100 Millionen Euro zur Verfügung. Bei 15 Prozent der Anträge sind Nachfragen nötig. Es fehlten Unterlagen oder hochgeladene Dokumente waren nicht erkennbar. Rund ein Drittel der geprüften Anträge erfüllt nicht die Fördervoraussetzungen. Viele könnten ihre pandemiebedingte Notlage nicht nachweisen, weil es ihnen vorher schon sehr schlecht ging und ihre Studienfinanzierung brüchig war. Sie sind durch Corona noch in eine schwierigere Lage geraten.

          Inzwischen gibt es auf der Antragsseite auch ein Erklärvideo, nachdem sich einige Studenten beschwert hatten, dass sie etwa bei einer Ablehnung nicht genau erführen, warum der Antrag abgelehnt wurde und ihn daher auch beim nächsten Mal im August nicht entsprechend verbessert abgeben könnten.

          Nur die pandemiebedingte Notlage zählt

          Doch auch dieses technische Problem sei inzwischen gelöst, denn in einem Kästchen werde die Ablehnung begründet, sagte Meyer auf der Heyde. „Wichtig ist, dass sich die Studierenden vorab gut informieren, etwa über die bereitgestellten Online-FAQs und die technischen Hinweise, bevor sie mit der Antragstellung beginnen.“ Benötigt werden vollständige Kontoauszüge der Vormonate, also zurück bis zur letzten Eingang der zwischenzeitlich weggefallenen Einnahme im Februar oder März, mit der die pandemiebedingte Notlage begann, und unbedingt bis zum Vortag der Antragstellung, also unbedingt auch der Kontoauszug oder der lückenlose Umsatznachweis für den laufenden Monat Juli.

          Bevor der Antrag im System abgeschlossen werden kann, werden die Studenten noch einmal aufgefordert, alle hochgeladenen Dokumente auf Vollständigkeit und Lesbarkeit zu prüfen, erläutert Meyer auf der Heyde. Und das sind nicht wenige: Ausweis, Immatrikulationsbescheinigung, ein Selfie mit dem Ausweis und die Kontoauszüge ohne Schwärzungen, sowie Belege über die weggefallenen Einnahmequellen.

          Dass die Kontoauszüge rücklaufend bis Februar vollständig eingereicht werden müssen, hängt damit zusammen, dass Ende Mai, nach Bekanntwerden der Förderrichtlinie im Netz Aufrufe kursierten, schnell noch das Konto leer zu räumen. Diese Formen des Missbrauchs galt es auszuschließen. Schließlich würden hier Steuergelder ausgeschüttet und eine besondere Sorgfalt sei vonnöten, erläutert Meyer auf der Heyde. Er bat die Studenten, die schon im Juni Überbrückungshilfe beantragt hatten, mit dem Juli-Antrag zu warten, bis der Juni-Antrag vollständig bearbeitet wurde.

          100 bis 500 Euro als nicht zurückzahlbarer Zuschuss

          Zu den Vorwürfen, dass zu viele persönliche Dokumente hochgeladen werden müssten, sagte der Generalsekretär, es handle sich um ein Verfahren, das etwa auch beim Carsharing üblich und gut gesichert sei. Das hätten die Datenschutzbeauftragten bestätigt. Die Alternative sei ein Post-Ident-Verfahren gewesen, das nicht nur langwieriger, sondern auch teurer gewesen wäre.

          Antragsberechtigt sind Studenten aus dem In- und aus dem Ausland, die an staatlichen und staatlich anerkannten Hochschulen in Deutschland immatrikuliert sind. Die Semesterzahl oder das Alter sind keine Ausschlussgründe. Entscheidend ist die nachgewiesene, akute pandemiebedingte Notlage. Je nach nachgewiesener Bedürftigkeit können zwischen 100 Euro und 500 Euro als nicht rückzahlbarer Zuschuss gezahlt werden.

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