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Corona-Genesene bei Steinmeier : „Mit der Impfung kommt nicht die Erlösung“

Tabulose Diskussion: Steinmeier mit Corona-Genesenen im Schloss Bellevue Bild: dpa

Unverständnis für die Demonstrationen vom Wochenende ist das wesentliche Gefühl unter den Gästen des Präsidenten. Manche fordern radikale Maßnahmen im Umgang mit Verweigerern.

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          Ich bin ein liberaler Mensch“, sagte einer der von Corona Genesenen beim Treffen mit dem Bundespräsidenten. Radikal sei er aber im Blick auf diejenigen, die derzeit ohne Maske und Abstand demonstrieren gehen, sie sollten „vorher unterschreiben, dass sie nicht behandelt werden wollen, denn die Krankheit gibt es ja in ihren Augen nicht“.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Das Demonstrationsrecht sei ein hohes Gut, die Gesellschaft müsse sich über Mittel und Wege der Pandemiebekämpfung öffentlich auseinandersetzen. „Rücksichtslosigkeit ist kein Freiheitsrecht“, hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier einleitend im Blick auf die Demonstration in Leipzig gesagt, bei der einige zehntausend Menschen die Regeln verspottet und weder Abstand gehalten noch Masken getragen hätten. Demonstrationen müssten möglich sein, aber „die Demonstrationsfreiheit ist nicht die Freiheit zur Gefährdung anderer“, sagte Steinmeier. „Es geht nicht nur um die Freiheit ohne Maske, sondern auch um die Freiheit der anderen“, sagte Steinmeier und verwies auf das Grundgesetz, das die Grenze für die Freiheit des Einzelnen genau dort zieht, wo die Freiheit des anderen gefährdet ist.

          Es waren keine betagten Menschen, die Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ins Schloss Bellevue eingeladen hatte oder zuschalten ließ, um über ihre Corona-Erkrankung zu berichten. Steinmeier will nach eigenem Bekunden darauf aufmerksam machen, wie ernst alle, unabhängig von ihrem Alter und Risikofaktoren, das Virus und die Erkrankung nehmen müssen. Er wünschte sich zu Beginn des Gesprächs eine tabulose Diskussion. Der Blick auf die von Covid-19 Genesenen ist dem Bundespräsidenten in der Öffentlichkeit zu kurz gekommen. Es war ein offenes Gespräch mit vielen Lachern.

          Bis heute Wortfindungsstörungen

          Joachim Huber, einen Journalisten der Zeitung „Tagesspiegel“, hatte es besonders schlimm erwischt. Der 62 Jahre alte Journalist hat sich selbst ins Krankenhaus eingeliefert, als die Atemnot begann, verfügte nur noch über vier Prozent seiner eigentlichen Lungenfunktion, litt an Nierenversagen und gegen Ende der Erkrankung auch noch an einem Herzinfarkt, hat vier Kliniken gesehen und lag fünf Wochen im Koma. 25 Kilo hat er abgenommen, Übergewicht und Diabetes sind nach der Corona-Erkrankung kein Problem mehr. Huber berichtet von furchtbaren Albträumen, die immer mit Tod und Verzweiflung endeten. Sein Fuß ist noch immer taub, er hofft in einem Jahr Rehabilitation wieder beweglich zu werden. Die Berliner Projekt- und Eventmanagerin und Yogalehrerin Nadja Alzner mit ihren 31 Jahren hatte zunächst mit starken Erkältungssymptomen zu kämpfen, bekam Panikattacken, konnte sich nicht mehr richtig bewegen und verlor den Geschmacks- und Geruchssinn. Sie hat bis heute Wortfindungsstörungen, leidet an Atemnot. Bislang ist auch ihr Geschmackssinn nicht zurückgekehrt.

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