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Jasper von Altenbockum (kum.)

Corona-Entspannung : Es gibt nur wenig Grund zum Jammern

Pandemiebekämpfung vor Ort (fotografiert in Dettelbach am 19. Mai 2021) Bild: Laila Sieber

Die Suche nach immer neuen Opfergruppen, nach immer neuen Pannen und Katastrophen ist wohlfeil. Wirklich wichtig ist es, die wahren Opfer der Pandemie zu erkennen.

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          Wenn es vor einem Jahr die Inzidenzwerte gegeben hätte, die jetzt registriert werden, wäre wohl kaum jemand auf den Gedanken gekommen, einen „richtig guten Sommer“ in Aussicht zu stellen. Dennoch hat Jens Spahn Grund dazu. Denn das Jahr 2021 verspricht nach allem, was mittlerweile gegen Corona aufgeboten werden kann, nicht nur in Deutschland einen ganz anderen Verlauf zu nehmen als das Jahr 2020.

          Es wird weiter Einschränkungen geben, aber doch im Rahmen von Stufenplänen, für die vor einem Jahr die Mittel und Wege fehlten. Die Normalität ist nun schon wieder so politisch korrekt, dass die Varianten des Coronavirus griechische Buchstaben bekommen (in Klammern wird man sich die Herkunft dann trotzdem irgendwie hinzudenken müssen).

          Aus einer außerordentlichen Not geboren

          Was zur Fast-Normalität geführt hat, ist noch immer umstritten. Das zeigt sich in der Fortsetzung der Debatte über den Präsenzunterricht an Schulen. Unsicherheit äußert sich auch darin, dass die „Bundesnotbremse“ pauschal als Ursache der Entspannung genannt wird, gleichzeitig aber, im Gegenteil, ebenso pauschal als überflüssige Anmaßung abgestempelt wird (Scharlatanerie inbegriffen, die jeglichen Lockdown für diktatorisch und unbegründet hält). Wer die positive Entwicklung der vergangenen Wochen richtig deuten will, sollte zumindest die Notbremsen nicht verdrängen, die lange vor der Bundesinitiative in den Ländern und Kreisen gezogen wurden.

          Im Glaubenskrieg zwischen „NoCovid“ und „Mit dem Virus leben“ steht es unentschieden. Nicht nur deshalb sollte das eine oder andere Kriegsbeil begraben werden. Es gibt viele Gründe, über die Corona-Maßnahmen zu klagen – aber nur für diejenigen, denen nicht mehr bewusst ist, dass dies alles aus einer Not geboren wurde, die außerordentlich ist.

          Zeichen einer Bewältigung, die so tut, als sei alles wie immer, ist die Suche nach immer neuen Opfergruppen, nach immer neuen Pannen und Katastrophen. Die gibt es, und sie müssen aufgedeckt werden. Wirklich wichtig sind sie aber nicht. Wichtig ist zu sehen, dass die wahren Opfer die Toten und Schwerkranken sind. Alle anderen haben wenig Grund zum Jammern.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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