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Spahn zu Corona-Debatte : Wie lange soll die Quarantäne dauern?

Jenas Spahn am Freitag in Berlin Bild: AFP

Gesundheitspolitiker sind sich einig, dass die Quarantänezeit verkürzt werden soll. Oder war es doch die Isolationszeit von nachweislich Infizierten? In der jüngsten Debatte ist einiges durcheinander geraten.

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          Es war Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der am Freitagnachmittag ein wenig Ordnung in die Debatte brachte. Der CDU-Politiker sagte, dass die Quarantänezeit in der Europäischen Union für Rückkehrer aus Risikogebieten auf bis zu zehn Tage verkürzt werden soll. Darauf hätten sich die europäischen Gesundheitsminister bei einer Konferenz geeinigt. Bisher dauert die Quarantäne generell 14 Tage. Spahn fügte hinzu, er könne sich gut vorstellen, dass die verringerte Quarantänezeit von zehn Tagen auch für Deutschland gelten könnte. Zudem werde geprüft, diese Frist bei einem negativ ausgefallenen Corona-Test sogar auf fünf Tage zu verringern.

          Kim Björn Becker

          Redakteur in der Politik.

          Die politische Debatte über eine Verkürzung der allgemeinen Quarantänezeit in Deutschland hatte am Donnerstagabend begonnen. In einem Bericht der Zeitung „Die Welt“ nannte es der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach „sehr sinnvoll“, die Quarantäne auf fünf Tage zu begrenzen. In dem Bericht äußerten sich noch weitere Gesundheitspolitiker. Die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Bundestag, Christine Aschenberg-Dugnus, sprach sich ebenfalls für eine fünftägige Quarantänezeit aus.

          Damit erhöhe man die Akzeptanz in der Bevölkerung und entziehe „zugleich den Verschwörungstheoretikern und Corona-Leugnern den Boden“, sagte sie. Die Gesundheitspolitikerin der Grünen, Kordula Schulz-Asche, sagte: „Für die breite Masse der Bevölkerung kann es sinnvoll sein, bei Verdacht auf einen Kontakt mit einer infizierten Person zunächst in eine verkürzte Quarantäne zu gehen und diese mit einem negativen Test abzuschließen.“

          Am Freitag schaltete sich dann Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ein und äußerte sich ebenfalls positiv zu dem Vorschlag einer verkürzten Quarantänezeit. „Es würde das ganze System erleichtern“, sagte Laschet. Menschen weniger als 14 Tage Quarantäne zuzumuten, erhöhe die Akzeptanz für die Maßnahme. Allerdings müsse ein solcher Schritt wissenschaftlich abgesichert sein. „Wenn es am Ende Konsens aller Virologen sein sollte, dass in der Tat sieben oder acht Tage ausreichen für eine Quarantäne, dann wird sich die Politik dem nicht verschließen.“

          Christian Drosten, Virologe an der Berliner Charité, hatte in seinem NDR-Podcast am Dienstag darüber gesprochen, bestimmte Fristen zu verkürzen. Am Freitagmorgen sah er sich auf Twitter allerdings zu einer Präzisierung veranlasst. „Isolierung und Quarantäne geraten durcheinander“, schrieb er. „Mein Vorschlag ist Reduktion der Isolierungszeit.“

          Lauterbach: Habe Isolationszeit gemeint

          Der Begriff der Quarantäne bezieht sich auf Personen, bei denen nicht sicher ist, ob sie sich mit Corona angesteckt haben. Gesundheitsämter verhängen eine Quarantäne von bisher zwei Wochen für Reiserückkehrer aus Risikogebieten sowie für bestimmte Kontaktpersonen eines Infizierten. Die Isolierung zielt hingegen auf nachweislich Infizierte und dauert bisher zehn Tage. Erst nach dem Ablauf dieser Zeit konnte bisher davon ausgegangen werden, dass ein Infizierter nicht mehr ansteckend ist. Drosten bezog sich mit seinem Vorschlag, die Isolationszeit zu verkürzten, auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Frage, wie Ansteckend Corona-Infizierte sind. Anfang August hatte er sich in einem Beitrag für die Wochenzeitung „Die Zeit“ mit der Bedeutung von Clustern auseinandergesetzt, damit sind Häufungen von Corona-Infektionen gemeint.

          In dem Beitrag schrieb Drosten: „Schaut man sich neuere Daten zur Ausscheidung des Virus an, reicht eine Isolierung der Clustermitglieder von fünf Tagen.“ Er würde diese „Mischung aus Quarantäne und Isolierung ,Abklingzeit‘ nennen, um die Begrifflichkeiten nicht zu verwässern“. Gleichwohl sind diese Begriffe in der Debatte nun durcheinandergeraten. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte der F.A.Z., er habe mit seiner Forderung eine Verkürzung der Isolationszeit gemeint. Und nicht der Quarantäne.

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