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Jasper von Altenbockum (kum.)

Corona-Beratungen : Ich esse meinen Einheitsbrei nicht

Muss alles gleich gemacht werden in Deutschland? Der hessische Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) in Offenbach, einem neuen Hotspot der Corona-Pandemie. Bild: dpa

Eine einheitliche Corona-Politik? Ihrer Glaubwürdigkeit, ohnehin im Stresstest, könnte kein größerer Bärendienst erwiesen werden.

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          Wieder einmal reihen sich Konferenzen aneinander, die Gelegenheit bieten, eine „einheitliche“ Corona-Politik in ganz Deutschland zum Schlüssel einer weiteren Eindämmung der Infektionen zu erklären. Zweck der Videokonferenz von Kanzlerin und Ministerpräsidenten am Donnerstag – der ersten seit langer Zeit – scheint nur noch diese Vereinheitlichung zu sein.

          Hängt ein besserer Infektionsschutz aber wirklich von Gleichheit und Übersichtlichkeit ab? Was sollte es jemanden kümmern, wenn in Vorpommern die Regeln in Schulen und Partykellern andere sind als in Offenbach? Wenn Testpflicht und Bußgelder in Hanau anders gehandhabt werden als im Rems-Murr-Kreis?

          Bislang hat es diese Einheitlichkeit nicht gegeben, und sie wird es auch in Zukunft nicht geben. Die Kritik am „Flickenteppich“ mag für schlichte Gemüter ein Mittel sein, den Dampf seiner Verdrossenheit abzulassen.

          Es ist aber gerade diese Vielfalt in Deutschland, die nicht nur dazu führt, dass schneller und effektiver reagiert wird als anderswo (im Elsass weiß man davon ein Lied zu singen), sondern auch kreativer. Methoden, die sich bewährt haben, können nachgeahmt werden, Fehlschläge breiten sich gar nicht erst aus. Wer sich nach mehr Einheitlichkeit sehnt, verkennt obendrein, wie einheitlich die Dinge schon sind.

          Es ist nicht überraschend, dass vor allem die Ost-Ministerpräsidenten – von Schwesig im Norden bis Kretschmer im Süden – darauf bestehen, an diesem Verfahren festzuhalten. In ihren Ländern verläuft die Pandemie ganz anders als im Westen und Südwesten. Sollen Maskenpflicht, Party-verbote und Bußgelder nun aber trotzdem über einen Kamm geschoren werden?

          Der Glaubwürdigkeit der Corona-Politik, ohnehin im Stresstest, könnte kein größerer Bärendienst erwiesen werden. All das ist aber nicht neu. Erst vor wenigen Wochen haben sich Bund und Länder deshalb auf die Sieben-Tage-Inzidenz geeinigt, um die Pandemiebekämpfung auf Städte und Landkreise herunterzubrechen. Die Regelung ist sehr sinnvoll und hat es nicht verdient, vor ihrer ersten Bewährungsprobe schon mit Einheitsbrei beworfen zu werden.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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