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Krise der Fleischindustrie : Versautes Geschäft

Schweineleben: Tiere im Stall des Landwirts und Schweinezüchters Hubertus Berges Bild: Daniel Pilar

Schon vor Corona war klar, dass in der Fleischindustrie vieles im Argen liegt. Nun ist der Druck zum Handeln aber da. Wird sich nun wirklich etwas ändern?

          10 Min.

          Das Herz von Kumpel & Keule ist die lange Glasscheibe. Über eine Strecke von achtzehn Metern zieht sie sich durch die Markthalle Neun im Berliner Stadtteil Kreuzberg und steht vor allem für eines: maximale Transparenz. An dem einen Ende zerteilt ein junger Mann mit Messer und Metallhandschuh die Querrippe eines Rinds, daneben wiegt ein anderer Gewürze für die Wurstherstellung ab. Am anderen Ende der Scheibe ist das Produkt ihrer Arbeit zu sehen: die prall gefüllte Theke, vom Braten über Buletten bis hin zur Blutwurst. Dass bei Aldi um die Ecke das Kilo Schnitzel weniger als acht Euro kostet, bei Kumpel & Keule dagegen knapp zwanzig, stört die Kunden nicht. Schon kurz nach Öffnung der Markthalle bildet sich an diesem Freitag eine Schlange. „Das ist richtig gutes Fleisch“, schwärmt ein Familienvater aus der Nachbarschaft, „dann kauft man eben nicht so viel.“ Ein Rentner kommt sogar einmal in der Woche vom anderen Ende der Stadt hierher. Warum? „Weil ich vor dreißig Jahren entschieden habe, mich nicht mehr von der Lebensmittelindustrie vergiften zu lassen!“

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Vor fünf Jahren hat Jörg Förstera zusammen mit einem Freund Kumpel & Keule gegründet, eine Metzgerei, die den Anspruch hat, es besser zu machen als so viele andere in der Branche. Zum Beispiel, wenn es um die liebste Fleischsorte der Deutschen geht, das Schwein. In diesem Fall: das Schwäbisch-Hällische Eichelmastschwein. Förstera bezieht es von einer Erzeugergemeinschaft aus Baden-Württemberg, die einen eigenen Schlachthof hat. Alle zwei Wochen fährt er oder einer seiner Kollegen dorthin. Er erzählt, wie viel Platz die Tiere dort hätten, wie sie vor dem Schlachten noch einen Tag entspannen dürften, beregnet würden. „In Schlachtbetrieben herrscht normalerweise ein enormer Geräuschpegel“, sagt Förstera. „Aber dort geht es ganz ruhig zu.“

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