https://www.faz.net/-gpf-a0r0o

Virus-Ausbruch bei Tönnies : Kein Grund zur Corona-Panik

Einsatzkräfte der Malteser und der Bundeswehr testen in der Ortschaft Versmold Mitarbeiter der Fima Tönnies. Bild: Daniel Pilar

Von einem Rückschlag in die Märztage ist Deutschland weit entfernt. Nach dem Corona-Ausbruch bei Tönnies ganze Bundesländer zu stigmatisieren, ist eine neue Form von unsolidarischer Virus-Panik.

          1 Min.

          Schneller, als sie ahnen konnte, muss die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen beweisen, dass ihr Beitrag zur „Öffnungsdebattenorgie“ stimmt: dass sich die Corona-Epidemie auch eindämmen lässt, ohne dass ganz Deutschland lahmgelegt wird und ohne dass Grenzen geschlossen werden. Die Kreise Gütersloh und Warendorf müssen nun zudem den Nachweis führen, dass von klar einzugrenzenden Infektionsherden nur klar identifizierbare Infektionsketten ausgehen.

          Die Massenquarantäne, die Massentests und der „Lockdown“ in beiden Kreisen geben aber schon eine klare Antwort: Die Infektionsketten lassen sich von den Gesundheitsämtern eben nicht mehr einfangen. Denn sonst wären diese Maßnahmen nicht nötig.

          Was macht eigentlich die App?

          Die Entscheidung von Bund und Ländern, die Lockerung bundesweiter Beschränkungen an die Vorgabe zu binden, dass sie örtlich zurückkehren sollen, wenn dort ein bestimmtes Infektionsniveau überschritten ist, erweist sich als sehr dehnbar.

          Je weiter gedehnt wird, desto wirklichkeitsfremder geht es aber zu. Muss tatsächlich ein Kreis unter Corona-Kuratel gestellt werden, ist nicht viel gewonnen, wenn vieles eingeschränkt wird, nur die Freiheit nicht, den Kreis einfach ungetestet zu verlassen. Ministerpräsident Laschet hat offene Grenzen immer verteidigt. Das ist so lange richtig, wie auf beiden Seiten vergleichbare Behörden vergleichbare Beschränkungen überwachen. Da es vergleichbare Beschränkungen ja gerade nicht mehr geben soll, ergeben sich daraus nun auch innerdeutsche Warnungen und Zurückweisungen.

          Ganze Bundesländer zu stigmatisieren ist allerdings eine neue Form von unsolidarischer Corona-Panik. Von einem Rückschlag in die Märztage ist Deutschland weit entfernt. Landkreise, in denen sich seit Wochen nichts tut, und von ihnen gibt es immer mehr (auch in NRW), müssen keine Veranlassung sehen, den Pfad der Normalisierung zu verlassen.

          Der Sommer ist schon jetzt aber eine Bewährungsprobe dafür, ob die „zweite Welle“ wie die erste ein Produkt von Nachlässigkeit ist – oder gar schon ein Zeichen von Abstumpfung. Und was macht eigentlich die App?

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Regierende Konservative liegen klar vorn

          Parlamentswahl in Kroatien : Regierende Konservative liegen klar vorn

          Umfragen sahen die linke Opposition schon knapp vorne, doch die konservative Partei um Regierungschef Andrej Plenkovic konnte in der Corona-Pandemie als Krisenmanager punkten und bleibt mit rund 40 Prozent der Stimmen weiterhin an der Macht.

          Topmeldungen

          Ein provisorisches Krankenhaus für die Corona-Infizierten in der Stadt Lleida.

          Corona- und Wirtschaftskrise : Spaniens Kampf ums Überleben

          Das südeuropäische Land muss wegen des heftigsten Corona-Ausbruchs seit der Öffnung neue Ausgangssperren verhängen. Und auch wirtschaftlich sieht es düster aus: Ministerpräsident Sánchez kämpft um die Kredite und Zuschüsse der EU.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.