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Handyverbote an Schulen : Sollen Kinder die Corona-App nutzen?

Was nützt die beste App, wenn Handys in der Schule verboten sind? Bild: dpa

Am Dienstag hat die Bundesregierung die Corona-Warn-App vorgestellt. Wer sie benutzt, muss mindestens 16 Jahre alt sein oder benötigt die Erlaubnis eines Elternteils. Doch was, wenn es in der Schule ein Handyverbot gibt?

          3 Min.

          Die offizielle Corona-Warn-App der Bundesregierung war noch nicht einmal auf dem Markt, da entspann sich schon eine neue Debatte. Nun war es nicht so, dass im Laufe der Entwicklung nicht schon über die Anwendung gestritten worden wäre - was sie speichert, wie sie es speichert, wo sie dies tut. Diese Fragen waren da aber bereits geklärt, oder zumindest in einigermaßen geordnete Bahnen des Streits gelenkt worden. Nun kam ein neuer Aspekt hinzu: Es ging um die Frage, ob auch Kinder die Anwendung auf ihre Telefone laden sollten – und falls ja, wie sie die App dann am besten nutzen.

          Kim Björn Becker

          Redakteur in der Politik.

          Wer die App auf seinem Telefon installiert, muss den Nutzungsbedingungen zustimmen. Diese regeln, welche Daten erhoben und gegebenenfalls weitergegeben werden - stets pseudonymisiert, wie Vertreter der Bundesregierung am Dienstag bei der offiziellen Vorstellung der App betont haben. Jugendliche von 16 Jahren an können die Einwilligung selbst erteilen, bei Jüngeren braucht es die Zustimmung eines Elternteils. Bevor am Dienstagvormittag vier Bundesminister, ein Behördenchef und zwei Manager die App auf großer Bühne in Berlin präsentierten, meldete sich Christine Lambrecht (SPD) schon einmal zu Wort.

          Die Bundesjustizministerin empfahl die neue Corona-Warn-App auch für Kinder. Aus ihrer Sicht sei die Anwendung für Kinder genauso ratsam wie für Erwachsene, sagte Lambrecht den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die Entscheidung darüber, ob die App auch auf Smartphones von Kindern installiert werde, müsse allerdings am Ende jede Familie selbst treffen. „Wichtig ist, dass Nutzerinnen und Nutzer die Anwendung ausschließlich aus den offiziellen App-Stores von Apple und Google herunterladen und darauf achten, keine Fake-Apps zu erwischen, die Daten abgreifen wollen“, sagte Lambrecht. Die Bundesregierung hat eine eigene Internetseite eingerichtet, auf der sie Download-Links zur Verfügung stellt.

          SPD-Parteichefin Saskia Esken adressierte unterdessen einen anderen Punkt. Wenn, wie die Justizministerin nahelegte, tatsächlich viele Eltern ihren Kindern die Erlaubnis geben, die App zu nutzen: Wie sollen sie das praktisch tun, wo es doch in manchen Schulen strenge Handyverbote gibt? Es sei „durchaus geboten, dass auch Schülerinnen und Schüler die App nutzen“, sagte Esken dem „Handelsblatt“. „Ich bin hier klar für eine Lockerung.“ Offen blieb, was genau Esken mit Lockerung meinte. Da die App im Hintergrund läuft, ist es nicht erforderlich, sie aktiv zu bedienen. Sofern die Auflage einer Schule nur darin besteht, das Telefon im Unterricht nicht zu benutzen – was ja eine Selbstverständlichkeit sein sollte –, gäbe es also gar kein Problem.

          Anders wäre es bei Schulen, die ihren Schülern vorschreiben, dass die Telefone im Unterricht oder auf dem Schulgelände ausgeschaltet werden müssen oder gar gleich ganz zu Hause bleiben müssen. Handys komplett zu verbieten, gilt unter Juristen aber als unverhältnismäßig. Schließlich spricht einiges dafür, dass Schüler auf dem Weg zur und von der Schule ein Telefon dabei haben. Esken zielte mit ihrer Forderung also wohl am ehesten auf das Erfordernis, die Telefone im Unterricht oder auf dem Schulgelände auszuschalten – dann könnte auch die App nicht mehr nachverfolgen, wer mit wem in Kontakt war und Kontaktpersonen von Infizierten automatisch warnen. Ein wesentlicher Teil des gesellschaftlichen Lebens könnte von der App nicht erfasst werden, wenn Schulen weiterhin verlangten, dass die Telefone ausgeschaltet sind.

          Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Marlis Tepe, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Über ein Handyverbot an einer Schule entscheiden Lehrkräfte, Eltern und Schüler gemeinsam entsprechend der spezifischen Situation vor Ort.“ Das sei sinnvoll, damit die Schulgemeinschaft den jeweiligen Gegebenheiten bestmöglich Rechnung tragen könne. „Wenn das Handy auf Grund eines schulinternen Verbots in der Tasche bleiben soll, wird das der Funktion der App vermutlich nicht im Wege stehen.“ Nicht ersetzen könne die Anwendung den Arbeitsschutz in der Schule. Hygiene- und Abstandsregeln seien weiterhin besonders wichtig.

          Vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie standen viele Eltern einem Handyverbot in der Schule positiv gegenüber. Im September wurden die Ergebnisse einer Umfrage unter Eltern in Deutschland veröffentlicht. Demnach wünschten sich etwa drei Viertel aller Befragten ein Handyverbot. Die Umfrage entstand im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung in in Zusammenarbeit mit der „Zeit“.

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