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Jasper von Altenbockum (kum.)

Covid-19-Bekämpfung : Angstmacher und Corona-Leugner

Funktioniert die App? Der Test simuliert allerdings etwas, was die App gar nicht speichern darf: wo und wann und mit wem genau sie funktioniert hat. Bild: dpa

Mit großer Pingeligkeit wurde die Corona-App entwickelt. Dabei gingen Angstmacher eine Allianz mit Corona-Leugnern ein. Hoffentlich ergeht es dem Impfstoff nicht genauso.

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          Der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus ist mehr Glück zu wünschen als der Entwicklung einer Tracing-App. Die digitale Warnung soll an diesem Dienstag freigeschaltet werden, zu einem Zeitpunkt, zu dem die Dringlichkeit vielen potentiellen Nutzern schon nicht mehr einleuchtet. Der Eindruck hat sich verfestigt, dass die Epidemie so schlimm nicht sein könne, wenn eine Warn-App viele Funktionen nicht enthalten dürfe, die für eine sinnvolle Bekämpfung nötig wären.

          An erster Stelle hätte da die Unterstützung der Gesundheitsämter stehen müssen, indem Infektionsketten sehr viel schneller erkannt werden, als das mit herkömmlichen Mitteln möglich ist. Die Bedürfnisse der Ämter standen aber nicht am Anfang der App-Entwicklung; sie mussten sich ganz hinten anstellen. Der Datenschutz hatte absoluten Vorrang.

          Risiken und Nebenwirkungen

          Das kann man gut finden, hat aber zu einer seltsamen Allianz zwischen Netz-Angstmachern und Corona-Leugnern geführt, die hinter jedem Mobilfunkmast einen digitalen Erich Honecker vermuten. Wird es dem Impfstoff auch so gehen? Entwicklungen, die früher aus guten Gründen viele Jahre dauerten, sollen jetzt hoppla-hopp vonstattengehen.

          Es ist gut, wenn sich der Staat beim Tübinger Biotechniker Curevac engagiert – das gibt langfristige Sicherheit für Forschung, Tests und Herstellung. Oberste Priorität muss aber die Gesundheit derer haben, die eines Tages ohne Risiken und Nebenwirkungen geimpft werden wollen.

          Angstmacherei ist auch hier fehl am Platze; sie wird aber zunehmen, wenn der Eindruck entsteht, hier werde etwas übers Knie gebrochen. Würde die Warn-App etwas taugen, könnte man beruhigen: Es gäbe Mittel, um sich für den Impfstoff mehr Zeit zu erkaufen.

          Wünschenswert wäre im einen wie im anderen Fall eine europäische Lösung. Sie wird mit der Wiederherstellung der Reisefreiheit noch dringlicher. Denn Grenzschließungen und Reisewarnungen in Europa sind nur vordergründig ein Spiegel der Pandemie. Sie zeigen, wie sehr sich Staaten und Gesellschaften trotz all der Mittel, die ihnen zur Verfügung stehen, vom Virus überwältigen lassen.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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