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Glasflaschen, Steine, Pyro : Linksradikale Demo in Leipzig eskaliert

Hundeführer der Polizei sperrten während der Ausschreitungen im Stadtteil Connewitz eine Straße. Bild: dpa

Im Leipziger Stadtteil Connewitz ging es am Sonntag wieder hoch her. Linksradikale Demonstranten warfen Glasflaschen, Steine, Pyrotechnik auf Polizisten. Die wiederum sollen Journalisten bei der Arbeit gehindert haben.

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          Für die Leipziger Polizei war es mal wieder ein ereignisreiches Demonstrations-Wochenende. Weil Sachsens größte Stadt am Wochenende noch weniger als 200 Corona-Neuinfizierte binnen sieben Tagen je 100.000 Einwohner meldete, waren Versammlungen im Freien hier noch erlaubt – allerdings unter strengen Auflagen. So demonstrierten am Sonntagnachmittag zunächst 400 Menschen stationär unter dem Motto „Ein Angriff auf Eine* ist ein Angriff auf uns Alle* – Solidarisch gegen patriarchale Gewalt“ – der Polizei zufolge störungsfrei und unter Einhaltung der Auflagen zum Infektionsschutz.

          Stefan Locke
          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Am Sonntagabend dann jedoch eskalierte mal wieder im Stadtteil Connewitz die Lage. Auf einer Kundgebung forderten zunächst rund 150 Teilnehmer „Rechte AkteurInnen in Polizei, Geheimdiensten und Justiz aufdecken“. Binnen einer Stunde habe sich die Zahl der Teilnehmer verdoppelt, berichtet die Polizei, die sich zum Eingreifen gezwungen sah, als sich ein Teil der Kundgebungsteilnehmer entgegen der Auflagen doch zu einem Marsch in Richtung Connewitzer Kreuz, dem Zentrum des Viertels, formierte.

          Aus der Menge heraus seien sodann Polizisten und Mitarbeiter der Leipziger Versammlungsbehörde unter dem Motto „Kampf den FaschistInnen in Uniform“ mit Glasflaschen, Steinen und Pyrotechnik beworfen worden. Den Einsatzkräften sei es zwar gelungen, den verbotenen Aufzug zu stoppen, doch seien zahlreiche Teilnehmer „in unbekannte Richtung geflohen“, während sich andere wieder unter die Zuhörer der Kundgebung gemischt hätten.

          Ein symbolträchtiges Datum

          Die Versammlungsbehörde habe die Kundgebung daraufhin beendet, doch bildete sich Augenzeugen zufolge eine unübersichtliche Gemengelage, in der die inzwischen durch weitere Einsatzkräfte etwa der Bundespolizei verstärkte Polizei mehrmals Teilnehmer einkesselte, vermehrt Personen kontrollierte und mehrere Menschen festnahm. Die Einsatzkräfte seien dann mit zum Teil roher Gewalt gegen die noch stattfindende Kundgebung vorgegangen.

          Deren Organisatoren und offenbar auch ein Großteil der Teilnehmer hatten angeblich nichts von der Auflösung der Versammlung mitbekommen, da es weder Durchsagen der Polizei noch eine Mitteilung an die Versammlungsleiter gegeben habe. Die Beamten wiederum waren mit mehreren Wasserwerfern sowie dem mittlerweile schon obligatorischen Hubschrauber, der über dem Viertel kreiste, im Einsatz; die Polizei sprach von einem „hochdynamischen Geschehen“.

          Dabei soll es zu mehreren Übergriffen von Polizisten auf Demonstranten sowie Journalisten gekommen sein. Pressevertreter berichteten zudem, von Beamten an der Ausübung ihrer Arbeit gehindert worden zu sein. Einem Medienvertreter sei die Kameraausrüstung beschädigt worden. Auf im Internet veröffentlichten Handyvideos ist zu sehen, wie Polizisten einen Kameramann überrennen und im folgenden Handgemenge offenbar die Kamera zu Bruch geht.

          Die Polizei in Leipzig machte den Vorfall auch selbst öffentlich und leitete ein Ermittlungsverfahren ein. Sie bat zudem weitere betroffenen Journalisten, sich zur Klärung der Vorwürfe zu melden. Ein Polizeisprecher sagte am Montag, es gebe Hinweise, dass sich einige der Einsatzkräfte am Sonntag „nicht immer ganz professionell verhalten“ hätten.

          In einer erste Bilanz teilte die Polizei am Montagmittag mit, dass während der Einsatzes zehn Straftaten registriert worden seien. So werde zurzeit wegen Landfriedensbruchs, Körperverletzung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Verstößen gegen das Waffengesetz und Sachbeschädigung ermittelt. Drei Polizisten seien verletzt worden. Zudem hätten die Einsatzkräfte 40 Verstöße gegen die Corona-Schutzauflagen festgestellt und einen 31 Jahre alten Mann festgenommen, der selbstgebaute Pyrotechnik im Gepäck hatte.

          Das Datum 13.12. hat in der linksradikalen Szene eine besondere Bedeutung, stehen die Zahlen doch für die Buchstaben ACAB, also den gegen die Polizei gerichteten Spruch „All cops are bastards“ (Alle Polizisten sind Bastarde). Am gleichen Datum hatte es auch in den Vorjahren Demonstrationen in Connewitz gegeben. Das Stadtviertel im Süden Leipzigs gilt nach Berlin und Hamburg als größtes Zentrum der linksradikalen Szene in Deutschland.

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