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Von der Leyens Vorstoß : Warum Panzer ein Comeback erleben

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Der Kampfpanzer „Leopard 2“ während einer Bundeswehrübung im niedersächsischen Bergen (Archivbild 2013) Bild: dpa

Als Reaktion auf die Ukraine-Krise stellt die Verteidigungsministerin die bisherigen Obergrenzen für Panzer und anderes Großgerät in Frage. FAZ.NET beantwortet die wichtigsten Fragen zur Kehrtwende.

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          Es ist das Comeback einer nach dem Ende des Kalten Krieges in Deutschland schon totgesagten Waffengattung. Als Reaktion auf die Ukraine-Krise und den Konflikt mit Russland stellt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) die bisherigen Obergrenzen für große Waffensysteme in Frage. Das betrifft besonders die Anzahl der Panzer. Auch soll es ein neues Panzer-Bataillon geben. Dabei galten auch Panzer nach der Auflösung des Warschauer Paktes schon als militärische Relikte. FAZ.NET beantwortet die wichtigsten Fragen zu den Plänen von der Leyens.

          Wie viele Panzer hat die Bundeswehr im Moment?

          Laut der Großgeräteliste von 2011 sollen nur noch 225 Kampfpanzer Leopard 2 und 350 Schützenpanzer Puma im Heer verbleiben. Im Vergleich zur Vergangenheit ist das verschwindend gering: Mitte der 1980er Jahre hatte die Bundeswehr noch um die 3500 Kampfpanzer und Schützenpanzer in ihrem Bestand. Es war Kalter Krieg und damit die große Zeit der Panzerflotten, die sich auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs gegenüberstanden. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs hat die Bundeswehr die Zahl der Panzer abgebaut. Ältere Modelle wurden verschrottet oder an andere Länder verkauft.

          Ist der Kampfpanzer nicht ein Relikt aus der Vergangenheit?

          Bisher schien es so. Bei den Stabilisierungs- und Friedenseinsätzen der letzten 20 Jahre wurde der Kampfpanzer Leopard 2 fast nie eingesetzt. Die Bundeswehr wollte auf dem Balkan oder in Afghanistan den Eindruck vermeiden, sie sei eine Besatzungstruppe. Kampfpanzer wirken sehr martialisch, das war nicht erwünscht. Zudem brauchte die Nato zur Bekämpfung von Guerillagruppen oder zur Befriedung von Bürgerkriegsländern schnell verlegbare Truppen mit leichter Bewaffnung. Die klassische Infanterie eben. Panzer müssen mit großen Transportflugzeugen wie der Antonow erst einmal ins Einsatzgebiet transportiert und dort mit großem Aufwand gewartet werden. Diesen Aufwand hat die Bundeswehr in den letzten Jahren nur in Ausnahmefällen auf sich genommen.

          Warum will von der Leyen dann die Zahl der Panzer wieder erhöhen?

          Vor dem Hintergrund der russischen Aggression in der Ukraine verlangen viele östliche Nato-Partner nach einer Reaktion der Nato. Deutschland als führende Wirtschaftsnation in Europa soll seinen Teil zur Abschreckung der russischen Aktivitäten leisten. Ein zweiter wichtiger Punkt ist, dass das bisherige „flexible Verfügungsmanagement“ in der Bundeswehr nicht funktioniert. Das war ein Vorhaben des ehemaligen Verteidigungsministers Thomas de Mazière (CDU), mit dem trotz der verringerten Anzahl an Großgerät die Aus- und Weiterbildung der Truppe am Helikopter oder am Kampfpanzer sichergestellt werden sollte.

          Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen beim Besuch auf dem Truppenübungsplatz Letzlingen.
          Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen beim Besuch auf dem Truppenübungsplatz Letzlingen. : Bild: dpa

          Das heißt in der Praxis, dass die wenigen verbliebenen Panzer der Bundeswehr durch das ganze Land gefahren werden, damit die Soldaten der Panzertruppe mit ihnen üben können. Dadurch wird das Gerät derart beansprucht, dass die Panzer immer öfter ausfallen und aufwendig gewartet werden müssen. Beim Transportpanzer GTK Boxer sind auch deshalb von 180 Fahrzeugen nur 70 einsatzfähig. Bei der 4. Kompanie des Jägerregiments 1 in Hammelburg gibt es für 123 Soldaten genau einen Boxer, um damit Einsätze zu simulieren.

          Was ist jetzt geplant?

          Die Verteidigungsministerin möchte das „flexible Verfügungsmanagement“ überdenken. Im Interview mit der Redaktion der Bundeswehr sagt sie, dass die Idee ihres Vorgängers sich nicht bewährt habe. Außerdem werden die bisher beschlossenen Obergrenzen für Panzer wanken: Es wird wohl mehr als die bisher veranschlagten 250 Leopard 2 im Heer geben. Ganz konkret wird das im niedersächsischen Bergen: Wenn dort dieses Jahr die englischen Truppen wie geplant aus der Kaserne und dem Truppenübungsplatz abziehen, soll dort ein neues Panzerbataillon entstehen. Bisher hat das Verteidigungsministerium mit Hinweis auf fehlende finanzielle Spielräume Forderungen von Verteidigungsexperten nach mehr Panzern und mehr Soldaten bei der Panzertruppe abgewehrt. Dabei war abzusehen, dass sie ihren Widerstand nicht lange halten würde: Eine Kehrtwende gab es nämlich vor kurzem auch schon beim GTK Boxer: Im November hat die Bundesregierung beschlossen, 131 zusätzliche Boxer anzuschaffen. Kostenpunkt: 620 Millionen Euro. Auch das war ursprünglich nicht geplant. Die Bundeswehrreform, wie sie bisher beschlossen war, wankt.

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