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Wegen Führungsverhalten : Hamburger LKA-Chef Heise abgesetzt

Als Hamburger LKA-Chef abgesetzt: Frank-Martin Heise Bild: dpa

Nach einem Skandal bei der Vorzeige-Ermittlungsgruppe „Cold Cases“ entlässt Hamburgs Polizeipräsident den Leiter des Hamburger Landeskriminalamtes. Es fehle das „notwendige Vertrauen für eine weitere Zusammenarbeit“.

          Der Hamburger Polizeipräsident Ralf Martin Meyer hat den Leiter des Landeskriminalamtes, Frank-Martin Heise, abgesetzt. „Mir als Amtsleitung fehlt das notwendige Vertrauen für eine weitere Zusammenarbeit“, äußerte Meyer am Montag in einem internen Schreiben, das der F.A.Z. vorliegt. Hintergrund der Entlassung ist offensichtlich eine bereits seit Monaten schwelende Affäre bei der Polizei rund um die sogenannte Cold-Case-Unit (CCU) des Landeskriminalamtes. In seinem Schreiben nimmt Meyer selbst Bezug darauf und formuliert, diese „nicht leichte Entscheidung ist im Kontext der Untersuchung der Arbeitsgruppe CCU erforderlich geworden“.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Die CCU war lange so etwas wie eine Vorzeige-Ermittlungsgruppe der Hamburger Polizei. Sie soll lange zurückliegende Kriminalfälle wieder aufrollen und lösen. Die Einheit und ihre Ermittlungen wurden auch medial intensiv begleitet. Jedoch bekam das positive Bild im Laufe eines Gerichtsprozesses im Herbst vergangenen Jahres erhebliche Kratzer. Da wurde ein Fall aus dem Jahr 1980 verhandelt, es ging um die versuchte Ermordung und Vergewaltigung eines damals 16 Jahre alten Mädchens. Fast 40 Jahre nach dem Verbrechen hatte die CCU einen Verdächtigen ermittelt und verhaftet, es gab Fotos in der Lokalpresse, wie der damalige Leiter der Gruppe den Verdächtigen abführt.

          Kritik an suggestiver Zeugenbefragung

          Im späteren Prozess allerdings kam es zum Eklat, als die Richterin den Verdächtigen nicht nur freisprach, sondern ihren Urteilsspruch mit massiver Kritik an der Ermittlungsarbeit der CCU verband. Kritisiert wurde unter anderem, dass Zeugen suggestiv befragt worden seien. Interne Untersuchungen wurden bei der Polizei angestrengt und der Leiter der CCU bereits wenige Wochen darauf abgelöst. Gegen ihn läuft ein Disziplinarverfahren, strafrechtliche Ermittlungen gab es nicht. Sein Anwalt kritisierte später das Verhalten der Polizeiführung, sein Mandant solle womöglich zum Sündenbock gemacht werden. Immer wieder rückte so auch das Verhalten Heises ins Zentrum des Interesses.

          Eine weitere Untersuchung sollte die Vorgänge rund um die CCU und die Führung im LKA beleuchten, und führte nun offenbar zu Heises Absetzung. Meyer schreibt, dass der Bericht der Untersuchung auch über den konkreten Fall der CCU hinaus zeige, dass das Führungsverhalten zu so erheblicher Kritik geführt habe, dass er eine weitere Verwendung von Heise in dieser Funktion nicht länger verantworten könne. Aus Polizeikreisen heißt es allerdings, dass die erwähnten Verfehlungen weder strafrechtlich noch disziplinarrechtlich relevant gewesen seien. Die Stelle soll nun ausgeschrieben werden.

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