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Claus Ruhe Madsen : Ein Däne als Wirtschaftsminister in Kiel

Claus Ruhe Madsen auf dem Landesparteitag der CDU in Neumünster Bild: dpa

Daniel Günther ist mit der Ernennung des populären Rostocker Oberbürgermeisters zum Wirtschaftsminister Schleswig-Holsteins ein Coup gelungen. Ohne Risiko ist das aber nicht.

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          Eine Überraschung war es am Ende nicht mehr, als Daniel Günther seinen neuen Wirtschaftsminister präsentierte. Mit Claus Ruhe Madsen holt er einen der bekanntesten Oberbürgermeister der Bundesrepublik in sein Kabinett, er wird als erster Däne Minister in Kiel. Das ist ein kleiner Coup für Günther, und doch nicht ohne Risiko. Denn auch wenn Madsen in ganz Deutschland viel Sympathie erfahren hat für seinen Kurs in der Corona-Krise und seine schlagfertigen Medienauftritte, hat sich seine Bilanz an der Spitze des Rostocker Rathauses zuletzt doch eingetrübt. Er verlässt die Stadt an einem Punkt, an dem vieles ungeklärt scheint für ihre Zukunft.

          Matthias Wyssuwa
          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Claus Ruhe Madsen ist ein Phänomen, dem man sich nur schwer entziehen kann, ebenso wie seinem beharrlichen Geduze. Der Däne versteht es immer wieder, Menschen um sich zu versammeln und sie bestens zu unterhalten. Ob auf der Straße in Rostock, oder beim Empfang des Bundespräsidenten für die dänische Königin im Schloss Bellevue: Madsen ist meist Mittelpunkt und es scheint ihm zu gefallen. Als Günther Madsen seiner Partei am Montagabend vorstellte, sprach er von mehreren „hochspannenden Begegnungen“ mit ihm, er habe festgestellt, dass man „vom Politikstil ein ähnliches Verständnis“ habe.

          Madsen wurde 1972 in Kopenhagen geboren, nach der Schule ging er für ein Auslandsjahr nach Deutschland und blieb. Als Möbelhändler machte er sich in Rostock einen Namen und führte lange die Industrie- und Handelskammer. Als 2019 ein neuer Oberbürgermeister gewählt werden sollte, fragten ihn mehrere Parteien, die CDU und die FDP unterstützten seine Kandidatur. Madsen jedoch hob stets hervor, dass er parteilos war. Mit einem Lastenrad zog er durch die Stadt, „Rostock bewegen“ war sein Slogan. Zu seinem Auftritt gehörte eine demonstrativ vorgetragene Distanz zur Politik, selbst nach seinem Einzug ins Rathaus. Das wird er nun ändern müssen – schon wird spekuliert, dass er auch der CDU beitritt.

          In Rostock war Madsen mit großen Zielen angetreten, viel wollte er bewegen und verändern, alles frischer und moderner: von einer schlanken Verwaltung bis hin zum Ausbau von Fahrradwegen. Wirtschaftsfreundlich und bürgernah. In der Corona-Krise fand er wieder den richtigen Ton, um seine Rostocker von den Maßnahmen zu überzeugen. Er war beliebt und die Zahlen gaben ihm recht: Auch wenn spätere Wellen auch Rostock voll trafen. In den vergangenen Monaten aber stiegen die Spannungen zwischen Oberbürgermeister, Verwaltung und Bürgerschaft. Der Tiefpunkt war das Eingeständnis, dass es mit der Bundesgartenschau im Jahr 2025 in Rostock nichts wird – es folgte die Absage.

          Mit der Buga standen aber auch viele Großprojekte in Verbindung, die Rostocks Zukunft gestalten sollten: von einer Brücke über die Warnow und den Umbau des Stadthafens bis hin zu einem neuen Volkstheater. Wie es mit den Projekten weitergeht ist offen, die Stadt verhandelt mit der Landesregierung über die Förderung. Sie wird es künftig ohne Madsen tun, ein neuer Oberbürgermeister muss gewählt werden. Und Madsen wird in Kiel ein mächtiges Ministerium führen, dass vor allem mit Blick auf den Ausbau von Infrastruktur große Herausforderungen mit sich bringt. Es wird ein Härtetest.

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