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Innenminister Reul : „NRW ist kein Honigtopf mehr für kriminelle Clans“

Herbert Reul (CDU), Innenminister von Nordrhein-Westfalen, spricht während der Vorstellung des Lagebildes „Clankriminalität 2021“. Bild: dpa

Laut dem neuesten Clan-Lagebild schöpften NRW-Ermittler 2021 bei kriminellen Großfamilien so viel Vermögen ab wie noch nie. Die Zahl der Clan-Straftaten ging im Vorjahresvergleich zurück, bleibt aber hoch.

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          Im Kampf gegen die Clankriminalität haben nordrhein-westfälische Ermittler im vergangenen Jahr so viel Vermögen abgeschöpft wie noch nie. Beschlagnahmte die Polizei 2020 Vermögenswerte in Höhe von vier Millionen Euro, waren es 2021 rund 10,2 Millionen – darunter 8,4 Millionen Euro Bargeld und Immobilien im Wert von 1,1 Millionen Euro.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          „Wir reden hier schon lange nicht mehr über Kleinkram“, sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) am Dienstag bei der Vorstellung des vierten Lagebilds Clankriminalität in Neuss. NRW sei „kein Honigtopf“ mehr für kriminelle türkisch-arabische Großfamilien. Als weiteren Erfolgsindikator wertete Reul, dass die Zahl der Clan-Straftaten im Vorjahresvergleich um 5,8 Prozent auf 5462 zurückgegangen ist.

          Der Kampf gegen Clans sei ein Marathon, man dürfe deshalb „den Faden nicht reißen lassen“, so Reul. Die seit 2017 in Nordrhein-Westfalen amtierende schwarz-gelbe Landesregierung hat den Kampf gegen kriminelle Großfamilien zu einem ihrer wichtigsten innenpolitischen Schwerpunkte gemacht.

          Hohe Zahl von Mehrfachtätern

          Wie viel trotz mancher Erfolge noch zu tun ist, geht aus dem neuesten Lagebild des Landeskriminalamts (LKA) hervor. In jedem fünften Ermittlungsverfahren zur Organisierten Kriminalität gibt es Bezüge zu türkisch-arabischen Großfamilien. Ein Problem bleibt auch die hohe Zahl von Mehrfachtätern: Gut ein Viertel der 3629 vom LKA registrierten Straftaten wird von 4,5 Prozent der Tatverdächtigen begangen. „Das zeigt, wie wichtig es ist, früh einzusteigen mit der Intensivtäterbekämpfung und vor allem bei Heranwachsenden präventiv zu arbeiten“, sagte Reul.

          Positiv sei, dass viele Familien der Polizei mittlerweile ihre Türen öffneten, weil sie sich für ihre Kinder ein besseres Leben wünschten. Im Aussteigerprogramm „Kurve kriegen“ arbeiteten Fachleute aktuell mit 34 Kindern aus polizeibekannten Familienclans zusammen.

          Mit 113 im aktuellen Lagebild aufgeführten Clannamen ist die Zahl der verdächtigen Großfamilien über die Jahre betrachtet weitgehend stabil. Reul wies darauf hin, dass sich die meisten Personen mit den entsprechenden Namen nichts hätten zu Schulden kommen lassen. „Es hilft aber nicht, in alte Debatten zu verfallen, die nur dazu führen, dass man das Problem nicht klar benennt, weil man vermeintlich jemanden stigmatisiert“, so Reul. Stattdessen müsse man Ross und Reiter deutlich benennen. „Nur dann haben wir eine Chance, erfolgreich gegen diese seit Jahrzehnten gewachsenen Strukturen vorzugehen.“

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