„Da laufen Leute rum, die machen, was sie wollen, und keiner tut was“
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Zahlreiche Menschen nahmen vergangenes Jahr an der Beerdigung des Clan-Mitglieds Nidal R. teil, der auf dem Tempelhofer Feld erschossen worden war. Bild: dpa
Im Kampf gegen kriminelle Clans fordert der Berliner Oberstaatsanwalt Sjors Kamstra eine Beweislastumkehr, Videovernehmungen und Strafen, die wirklich abschrecken.
Hassen Sie manchmal Ihren Job, Herr Kamstra?
Nein.
Wir stellen uns das frustrierend vor, gegen kriminelle arabischstämmige Clans vorzugehen. Die Ermittlungen sind aufwendig, und oft kommen die Beschuldigten dank hochkarätiger Anwälte glimpflich davon.
Ich bin niemals mit dem Anspruch angetreten, ich würde hier einen Sumpf trockenlegen. Vielleicht eher mit der zynischen Variante: Da Kriminalität nicht ausstirbt, habe ich einen krisensicheren Job.
Wie haben Sie zum ersten Mal gemerkt, dass wir mit kriminellen Clans in Deutschland ein Problem haben?
Wenn Sie als Ermittler in der organisierten Kriminalität unterwegs sind, untersuchen Sie kriminelle Banden und schauen anhand festgelegter Indikatoren, ob eine organisierte kriminelle Struktur vorliegt. Das ist wie ein Taucher, der in ein Atoll abtaucht: Man sieht die ersten Korallen und dann noch ein paar kleinere Fischchen. Dann taucht man etwas tiefer und findet immer größere Fische. Wir haben Anfang der 2000er Jahre zum ersten Mal Verfahren um Mitglieder aus arabischstämmigen Großfamilien in unsere Abteilung hereingeholt und festgestellt: Das hat organisierte kriminelle Strukturen.
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