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Chronologie der AfD-Querelen : Ein Jahr Petry, ein Jahr Streit

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In glücklicheren Tagen: Frauke Petry und Bernd Lucke als Parteisprecher Anfang 2015. Bild: AFP

Im Juli 2015 hat Frauke Petry den AfD-Gründer Bernd Lucke von der Parteispitze verdrängt. Erst schien die Partei befriedet, dann begannen endlose Querelen. Eine Chronologie der Querelen in der AfD – und warum sie jetzt vor der Spaltung steht.

          Im Moment ihres Triumphes wirbt Frauke Petry für Einigkeit in der AfD. Wochenlang hat sie gegen die Gemäßigten opponiert, ihre Anhänger haben Schmutz über das Lucke-Lager verbreitet – und umgekehrt. Jetzt sagt sie: „Lassen Sie uns mit den Streitigkeiten, vor allen Dingen die unter der Gürtellinie, aufhören." Mit 60 Prozent ist die Frau aus Sachsen zur Vorsitzenden gewählt worden. Der Parteigründer Bernd Lucke ist geschlagen.

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          Es ist Sonntagnachmittag, der 4. Juli 2015. In der Essener Messehalle ist es stickig. 3500 Mitglieder sind gekommen, der größte Parteitag der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Entscheidung für Petry ist das Ende eines Richtungsstreits. Petry spricht später von einem Befreiungsschlag für die Partei. Dabei bedeutet es vor allem eines: Die Spaltung der AfD, zwei Jahre zuvor von einigen Professoren gegründet, steht kurz bevor. Lucke und seine Anhänger haben mit Austritt gedroht, eine Abspaltung erscheint möglich. Verkraftet das eine so junge Partei, die gerade ihre Strukturen aufgebaut, aber noch nicht einmal ein Parteiprogramm hat?

          Genau ein Jahr ist seitdem vergangen, die AfD ist immer noch da. Sie hat Wahlen gewonnen und stand zuletzt in Umfragen bei 15 Prozent. Jetzt deutet sich wieder ein tiefer Streit an. Aber schadet das der Partei? Blicken wir zurück:

          12. Juli 2015: Nach dem Führungsstreit sackt die AfD in bundesweiten Umfragen zunächst auf drei Prozent ab. Es ist ihr schlechtestes Ergebnis seit September 2013. Vorher hätte sie mit fünf Prozent bei der Sonntagsfrage den Sprung in den Bundestag geschafft.

          16. September 2015: Bernd Lucke hat inzwischen eine neue Partei gegründet, die Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa), trotzdem erholt sich die AfD in den Umfragen. In Sachsen zieht sie mit den Sozialdemokraten gleich, beide liegen bei 13 Prozent. Luckes Partei erzielt kaum messbare Werte.

          17. Oktober 2015: Björn Höcke, AfD-Fraktionsvorsitzender im thüringischen Landtag, zieht bei „Günther Jauch“ eine Deutschlandflagge aus seiner Tasche und breitet sie auf seiner Armlehne aus. Die Empörung ist groß.

          22. Oktober 2015: Die Parteiführung distanziert sich von Höcke und seinem Auftritt bei „Günther Jauch“. Petry und Meuthen schreiben in einer gemeinsamen E-Mail an die Parteimitglieder, dass sie sich „wie die große Mehrheit der AfD Mitglieder“ vom „derzeitigen Stil des Auftretens des thüringischen Landesvorsitzenden Björn Höckes nicht vertreten“ fühlen. Höcke sei nicht legitimiert, für die Bundespartei zu sprechen.

          1. November 2015: Die AfD legt in den Umfragen weiter zu. Acht Prozent sind es, mehr als seit einem Jahr nicht mehr. Dabei ist in der Partei inzwischen ein Grundrauschen aus kleineren und größeren Streitereien nicht mehr zu überhören.

          Ende November 2015: Bei einem Vortrag inm „Institut für Staatspolitik“, das zur „Neuen Rechten“ gehört, stellt Höcke rassistische Behauptungen auf. Er sagt, Afrikaner hätten eine andere Reproduktionsstategie als Europäer – „Ausbreitungstyp“ gegen „Platzhaltertyp“. Die Aussagen erinnern an die Rassenlehre der Nationalsozialisten. Am 10. Dezember wird der Vortrag veröffentlicht, Höcke gerät abermals in die Schlagzeilen.

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