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Christoph Ahlhaus : Der Ehrgeizige

Wird Hamburgs neuer Bürgermeister: Christoph Ahlhaus Bild: APN

Der designierte Nachfolger von Beusts als Erster Bürgermeister ist kein Hamburger. Auch sonst unterscheidet Christoph Ahlhaus vieles von dem bisherigen Amtsinhaber. Wer glaubt, er habe nicht die Geschmeidigkeit, die schwarz-grüne Koalition fortzusetzen, täuscht sich.

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          Christoph Ahlhaus wurde in Heidelberg geboren, wuchs dort auch auf, absolvierte eine Bankkaufmannlehre, bevor er Rechtsanwalt wurde. 2001 kam er nach Hamburg und organisierte für die CDU den Bürgerschaftswahlkampf. Die SPD herrschte seit Jahrzehnten in der Hansestadt, so dass die Aussicht auf Karriere und Erfolg für Ahlhaus nicht sonderlich groß waren. Aber genau das brachte ihn auf den Weg, der ihn nun in das Rathaus führt.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Bei der Wahl 2001 schnitt die CDU zwar gewohnt schlecht ab, aber Ole von Beust schaffte es dennoch, durch einen umstrittenen Schachzug erstmals Bürgermeister zu werden. Er ging eine Koalition mit FDP und der sogenannten Schill-Partei ein. Ahlhaus blieb in der Parteizentrale, einer Villa am Leinpfad, als Landesgeschäftsführer, damals noch unter dem Vorsitzenden Dirk Fischer. Er nutzte die Chance, sich der Partei bekannt zu machen und sich so in Hamburg eine politische Basis aufzubauen.

          Der Ehrgeiz war ihm immer anzumerken

          Das fragile Bündnis von 2001 scheiterte. Bei der vorgezogenen Wahl 2004 gewann von Beust nicht nur die bis dahin unvorstellbare absolute Mehrheit für die CDU. Ahlhaus zog auch in die Bürgerschaft ein. Aber nur für zwei Jahre, denn 2006 schon wurde er Staatsrat in der Innenbehörde, nach der Wahl 2008 schließlich sogar Innensenator. Diese Personalentscheidung war umstritten, denn Ahlhaus löste den beliebten Udo Nagel als Senator ab. Nagel aber ist parteilos. Für ihn war deshalb in der Koalition aus CDU und Grünen kein Platz mehr.

          Ahlhaus war der Ehrgeiz immer anzumerken. Als am 1. März dieses Jahres der Hamburger CDU-Vorsitzende und Finanzsenator Michael Freytag zurücktrat, kam Ahlhaus aus der Deckung. Er verabredete mit dem ebenfalls 2008 ins Amt gekommenen CDU-Fraktionsvorsitzenden Frank Schira, dass Schira die Partei übernimmt, er aber in das Rathaus einzieht, sollte irgendwann Ole von Beust zurücktreten. Schon zu diesem Zeitpunkt war freilich klar, dass das so lange nicht mehr dauern würde.

          Nun wird Ahlhaus der elfte Nachkriegsbürgermeister. Mit 40 Jahren ist er noch jung, aber Hans-Ulrich Klose (SPD) war, als er 1974 Hamburger Bürgermeister wurde, noch jünger. Ahlhaus ist seit 2006 verheiratet.

          Er ist ein völlig anderer Typ als von Beust

          Lange war er auf Wohnungssuche und fand schließlich vor einigen Monaten eine Villa nahe der Elbe. Er geriet in die Schlagzeilen, weil das Haus mit Millionenaufwand sicherheitstechnisch aufgerüstet werden musste. Auch im Amt häuften sich für den Senator die Schwierigkeiten: brennende Autos in der Stadt, Angriffe auf Polizisten, überhaupt mehr gefühlte Gewalt in der Stadt. Dabei lag Ahlhaus viel daran, sich auch seiner Partei als ein Mann des Durchgreifens zu präsentieren. Diese Probleme nimmt er mit ins Rathaus, denn die innere Sicherheit war in Hamburg schon immer ein Maßstab, an dem sich politischer Erfolg oder Misserfolg ablesen ließ.

          Ahlhaus, groß, kräftig und etwas behäbig, ist ein völlig anderer Typ als der beliebte Bürgermeister, hat aber zweifellos dessen klaren politischen Blick. Es täuscht sich in ihm, wer glaubt, er habe nicht die Geschmeidigkeit, Schwarz-Grün fortzusetzen, Wahlkämpfe als Spitzenkandidat zu gewinnen und in der Stadt zu Ansehen zu kommen. Er ist der Kontrast zur Beust-Ära - und genau das seine Chance.

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