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Christian Wulff : Von verlorenem Vertrauen

  • -Aktualisiert am

Ermittlungen wegen Vorteilsgewährung und Vorteilsannahme

Schon die Wochen nach seiner Wahl zum Nachfolger Horst Köhlers standen - missverständlicher Äußerungen wegen - unter einem schlechten Stern. Wegen der Katastrophe bei der „Love-Parade“ in Duisburg hatte er den dortigen Oberbürgermeister an den Grundsatz der politischen „Verantwortung“ erinnert - und hatte sich fortan des Vorwurfs zu erwehren, auf ungebührliche Weise dessen Rücktritt verlangt zu haben. Wulff wollte den Vorwurf nicht gelten lassen - so als ob im politischen Gewerbe der Ruf nach „Übernahme politischer Verantwortung“ nicht ein Synonym für die Forderung nach Rücktritt wäre. Fatalerweise für Wulff erinnerten sich zudem einige seiner CDU-Parteifreunde daran, dass Wulff schon früher - als Ministerpräsident und stellvertretender CDU-Vorsitzender - in Hintergrundgesprächen und SMS-Kurzmitteilungen gerne über sie und sogar Angela Merkel gelästert habe. Das minderte die Zahl seiner wahren Freunde, was sich, als er sie brauchte, dann auswirkte.

In der SPD wiederum wurde an frühere „Affären“ erinnert. Als Gerhard Glogowski, vormaliger niedersächsischer Ministerpräsident, und Johannes Rau, ehemaliger Bundespräsident, vergleichbaren Vorwürfen ausgesetzt gewesen seien, habe Wulff nach „Sauberkeit“ gerufen wie wenige sonst. Nun solle mit anderen Maßstäben gemessen werden. Schadenfreude ist eine gefährliche Sache im politischen Geschäft.

Die Entlassung Olaf Glaesekers durch Wulff brachte keine Entlastung für den Bundespräsidenten. In Hannover und dann auch in Berlin war Glaeseker nicht nur sein Pressesprecher gewesen, sondern sein engster Berater und so etwas wie sein Alter Ego. Die Entscheidung kurz vor Weihnachten 2011, ihn - wie es nach dem Beamtenrecht üblich ist - ohne Begründung zu entlassen, sah wie ein „Bauernopfer“ aus. Tatsächlich war Glaeseker in manche Details der späteren „Kredit-Affäre“ nicht eingeweiht gewesen. Vor allem aber wurde die Sache um eine Angelegenheit erweitert: Den „Nord-Süd-Dialog“, wie eine opulente Zurschaustellung der wirtschaftlich erfolgreichen Bundesländer Niedersachsen und Baden-Württemberg genannt wurde. Gegen deren Organisator Manfred Schmidt und gegen den Wulff-Vertrauten Glaeseker wurden Ermittlungen wegen Vorteilsgewährung und Vorteilsannahme eingeleitet – wegen Urlaubseinladungen. Der Vorwurf, Wulff habe davon gewusst, aber nichts unternommen, lag nahe. Er hat es bestritten. Selbst manche seiner verbliebenen Verteidiger aber mochten das nicht glauben.

Die „Klinkerhölle von Großburgwedel“

Von Beginn der „Affäre Wulff“ mit der Berichterstattung am 13. Dezember 2011 an fiel auf, dass die Zahl und das Gewicht seiner Verteidiger überaus übersichtlich war. Allein Peter Altmaier wurde ins Feuer der Talk-Shows geschickt, was seiner damaligen Funktion als Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU entsprach. Im Januar hatte er genug davon. Es blieb Peter Hintze als Verteidiger. Volker Kauder, der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende, hielt sich öffentlich zurück. Angela Merkel, die Bundeskanzlerin, zögerte ziemlich lange, ehe sie ihr Vertrauen in die Amtsführung Wulffs bekundete, was sie stets um ihre Erwartung ergänzte, Wulff werde für Aufklärung sorgen. Die CDU-Führung vermied es, mit anderen politischen Kampagnen zur Entlastung des Bundespräsidenten beizutragen.

Intern aber wurde von Anfang an die Vermutung geäußert, die „Affäre Wulff“ könne für diesen ein schlimmes Ende nehmen. Das kreditfinanzierte Eigenheim wurde seines Aussehens wegen als die „Klinkerhölle von Großburgwedel“ geschmäht. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hatte sich gegen fraktionsinterne Spekulationen zu wenden, er stehe als Nachfolger bereit. An der Spitze der Unions-Parteien aber kamen schlimme Berichte an. „Die CDU-Basis wendet sich mit Kopfschütteln ab“, war ihr Tenor. Wulff hatte keine Freunde mehr. Es war so weit - wie es in den Lehrbüchern der Politik steht. Was bleibt, ist Mitleid.

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