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Christian Wulff : Hoffen auf bessere Jahre

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Wieder sichtbar: Christian Wulff vor wenigen Tagen im Stadion von Hannover 96 Bild: dpa

Als aus dem Bundespräsidenten der Angeklagte wurde, brach das Leben von Christian Wulff wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Nach dem Freispruch hofft er auf eine Rückkehr zur Halb-Normalität - und auf Arbeit. Angebote gibt es bereits.

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          Nach dem umfassenden Freispruch wird der frühere Bundespräsident und niedersächsische Ministerpräsident wohl erst dann „voll“ in das Leben Hannovers zurückkehren, wenn das Urteil rechtskräftig ist. In den vergangenen Wochen aber bereitete sich Wulff offenkundig schon darauf vor. Häufiger als früher macht er sich wieder sichtbar. So etwa im VIP-Bereich des Fußballstadions von Hannover 96 bei dessen Heimspiel gegen Bayern München. Dort sammelten sich so manche, denen Wulff früher regelmäßig begegnete: die Vorstandsvorsitzenden von Volkswagen und dem regionalen Stromversorger, von der Volksbank und einer Drogeriekette.

          Dort kamen SPD-Politiker vom Oberbürgermeister über den Regionspräsidenten bis zur Frau des früheren Bundeskanzlers in den abgeschirmten Stadionbereich, außerdem Konzernchefs des Verlags, der die beiden hannoverschen Tageszeitungen herausgibt. Nicht zu vergessen die üblichen hannoverschen Promis von einem Neurochirurgen über einen Kriminologen bis zu einem Fernsehkomiker. Also all jene, die Wulff auch in seinen guten Jahren als Ministerpräsident umgaben.

          Nahe der dem Stadion gegenüberliegenden Seite des Maschsees lebt Wulff heute in einer Dreizimmer-Mansarde in Hannover-Waldhausen. Gar nicht weit entfernt vom Ehepaar Schröder: Es ist der einzige Stadtteil der Republik, in dem ein ehemaliger Bundespräsident und ein früherer Bundeskanzler wenige Blocks voneinander entfernt wohnen. Wulff war nach der Trennung von seiner zweiten Frau Bettina aus dem gemeinsamen Haus in Großburgwedel ausgezogen. Den Gelbklinkerbau in einer Sackgasse, dessen Hauskredit am Anfang der causa Wulff stand, hat das Noch-Ehepaar mittlerweile verkauft.

          Wie ein Kartenhaus brach alles zusammen

          Am Ufer des künstlichen Sees läuft Wulff, begleitet von einem ihm zustehenden Personenschützer, dann und wann spazieren mit ihm vertrauten Politikern der CDU. Daheim besuchen sie ihn aber nicht oder kaum – schon früher scheute Wulff zu viel Nähe. Als er sich mit der Bild-Zeitung auf eine „Homestory“ einließ, brachte ihn das in dem Augenblick zu Fall, als Wulff die „Bild“ nicht mehr einbeziehen wollte. Binnen weniger Monate verlor Christian Wulff Amt, Beruf, Ehefrau, auch Ansehen. Wie ein Kartenhaus brach alles zusammen - oder wie Mikado-Stäbe. Der Stab mit dem höchsten Wert, blau gestreift, heißt Mikado wie der japanische Kaiser: Wer sich zuerst bewegt, verliert.

          Will einen Freispruch erster Klasse: der frühere Bundespräsident Christian Wulff

          Wie das ablief, konnte man im biederen Doku-Fernsehspiel „Der Rücktritt“ am Dienstagabend auf Sat.1 sehen. Dort wurden Wulffs letzte zwei Monate als Bundespräsident gezeigt. Die „Bild-Zeitung“ veröffentlichte die Sendung zeitgleich auf ihrer Webseite, die dort triumphierend und selbstgefällig ihre Rolle bei Wulffs Sturz darlegte. Sie veröffentlichte erstmals den vollen Wortlaut der Nachricht, die Wulff auf dem Anrufbeantworter von Bild-Chefredakteur Kai Diekmann hinterließ: Sie ist vieldeutiger und weniger aggressiv, als die verkürzte Darstellung der „Bild“ bisher suggerierte.

          Parallel schilderte Stefan Niggemeier in seinem Blog, wie und wieso die Bild-Zeitung sich zelebrierte. Niggemeier baute dabei auf eines der wenigen ernsthaften Wulff-Bücher, „Der böse Wulff?“ des Rundfunkjournalisten Michael Götschenberg über die Rolle der Medien und die Geschichte hinter der Geschichte.

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