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Christian Wulff : Gescheitert an seiner Vergangenheit

  • -Aktualisiert am

„Ich habe mich in meinen Ämtern stets rechtlich korrekt verhalten“: Bundespräsident Christian Wulff erklärte am 17. Februar 2012 seinen Rücktritt im Beisein seiner mittlerweile getrennt von ihm lebenden Ehefrau Bettina Bild: Stefan Boness/Ipon

Christian Wulff hat es als Ministerpräsident nicht geschafft, sein Amt und sein Privatleben sauber zu trennen. Als Bundespräsident holte ihn dieses Versagen ein.

          Am Montag, dem 31. Mai 2010, tagte das CDU-Präsidium, wie gewohnt. Gegen 12 Uhr wurde der Parteivorsitzenden Angela Merkel ein Zettel hereingereicht. Bundespräsident Horst Köhler wünsche sie zu sprechen, es sei dringend. Köhler verkündete seinen Rücktritt. Die Bundeskanzlerin war außer sich. Sie wusste, dass jetzt schnell eine Lösung her musste und dass es an ihr war, sie zu finden. Einen Tag später, am 1. Juni, traf sie die folgenschwerste personalpolitische Entscheidung ihrer Amtszeit. Sie fragte den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff, ob er Bundespräsident werden wolle. Er wollte.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Wulff kommt aus Osnabrück, so wie die wichtigste Beraterin der Kanzlerin, ihre Büroleiterin Beate Baumann. Wulff hatte Baumann 1992 empfohlen, als Merkel eine Mitarbeiterin in Bonn suchte. Man kannte einander also lange. Ein bisschen was hätte man in der siebten Etage des Kanzleramtes in Berlin also wissen können, über Wulff und das, was er in Hannover so machte. Aber hinterher sind immer alle schlau.

          Anfang 2010 hatte Wulff vor dem niedersächsischen Landtag endgültig das Fundament für das Ende seiner Amtszeit als Bundespräsident gelegt, ein Vierteljahr, bevor sie überhaupt beginnen sollte. Er behauptete, „in den letzten zehn Jahren keine geschäftlichen Beziehungen“ mit einem gewissen Egon Geerkens unterhalten zu haben. Wulff musste sich erklären, weil er und seine Frau auf dem Flug nach Florida, wo die Villa der Familie Geerkens das Ziel war, ein Upgrade in die Business-Klasse erhielten und unklar war, wer das bezahlt hatte. Von der Sache nahm außerhalb Hannovers kaum jemand Notiz.

          Wulffs Aussage vor dem Landtag war mindestens gewagt

          Bis zum Dezember 2010. Da wollte die „Bild“-Zeitung vom Bundespräsidenten Wulff wissen, wer denn sein Privathaus in Großburgwedel finanziert habe. Wulff zögerte, mit der ganzen Wahrheit herauszurücken, sagte aber immerhin, dass eine Eigentümergrundschuld von 500.000 Euro im Grundbuch stehe. Im August 2011 gab der Bundesgerichtshof einer Klage statt. Journalisten durften den Grundbucheintrag einsehen. Der Stein war endgültig ins Rollen geraten. Und er rollte geradewegs auf Schloss Bellevue zu, in dem Wulff seit gut einem Jahr lebte.

          Unklar blieb allerdings, wer der Kreditgeber war. Es gab Gerüchte, womöglich habe einer von Christian Wulffs prominenten Bekannten aus Niedersachsen ihm das Geld vorgestreckt. Schließlich entschloss sich Wulff, Journalisten Einblick in den Kreditvertrag zu gewähren. Dort war zu lesen, dass Geerkens ihm einen Privatkredit in Höhe von einer halben Million Euro gewährt hatte. Allerdings nicht Egon Geerkens, nach dem Wulff vor dem Landtag gefragt worden war, sondern dessen Frau Edith. Später, im Zuge der sich schnell zuspitzenden Diskussion über Wulffs Hauskredit, gab es allerdings genügend Hinweise, dass Egon Geerkens sehr wohl Einfluss auf die Kreditvergabe genommen hatte. Der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hatte Geerkens gesagt, die Idee für den Kredit sei von seiner Frau gekommen. Doch habe er, Egon, mit Wulff über die Modalitäten des Vertrags gesprochen. Wulffs Aussage vor dem Landtag war also mindestens gewagt gewesen.

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