https://www.faz.net/-gpf-7mgzz

Christian Schmidt neuer Agrarminister : Aus dem Schatten

  • -Aktualisiert am

Unter Beobachtung: der damalige Staatssekretär Christian Schmidt im Februar 2013 mit CSU-Chef Horst Seehofer in München Bild: dpa

Der neue Landwirtschaftsminister Christian Schmidt ist kein Drängler und kein Marktschreier. Sein Aufstieg verlief im Schatten der Machtpolitiker und der Glanzvollen.

          Vor einer Woche noch hat sich Christian Schmidt mit anderen Dingen beschäftigt. Als Außen- und Sicherheitspolitiker der CSU arbeitete er sich in einen neuen Bereich dieses weiten politischen Feldes ein: Den der Entwicklungspolitik. Schmidt war, nach gut acht Jahren als Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium, im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit tätig – wiederum als „PSt“, wie die Kurzfassung des Titels lautet.

          Am Wochenende erhielt er Anrufe und Anfragen, die er angesichts der Umstände nicht ablehnen konnte. Seit Montag ist es offiziell: Der CSU-Abgeordnete erhielt die Ernennungsurkunde zum Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft. Für Schmidt ist es ein ganz und gar neuer Arbeitsbereich.

          Es kommt nicht häufig vor, dass aus einem „PSt“ ein Bundesminister wird. Schmidt weiß das, und er mag sich damit abgefunden haben, dass er im Berliner Politikmilieu nicht weiter aufsteigen werde. Schmidt ist kein Drängler und kein Marktschreier. Sein Aufstieg verlief im Schatten der Machtpolitiker und der Glanzvollen.

          Leises Selbstbewusstsein

          Sein Selbstbewusstsein kommt leise daher. „Acht Jahre, länger als jeder Minister oder Parlamentarischer Staatssekretär bisher, durfte ich dieser Aufgabe dienen“, sagte er am Dreikönigstag, als er sich im Bendlerblock aus dem Verteidigungsministerium verabschiedete. Auf seine Weise machte er deutlich, dass er gerne geblieben wäre. „Wer mich kennt, weiß, dass ich mich mit meinem fränkisch-protestantischen Charakter schwer tue, Dinge und Zeiten leicht zu nehmen. Aus dieser Sicht war mir die Arbeit im Bundesministerium der Verteidigung auf den Leib geschnitten.“ Er hat sich aber nicht beschwert, in ein vermeintlich weniger gewichtiges Haus versetzt worden zu sein. Das mag ihm genutzt haben.

          Neuer Bundeslandwirtschaftsminister: Christian Schmidt (CSU), damals noch Parlamentarischer Staatssekretär des Bundesministers der Verteidigung, Ende Januar im Bundestag in Berlin

          Schmidt wurde 1957 in der Gemeinde Obernzenn in Mittelfranken geboren. Abitur, Grundwehrdienst, Studium der Rechtswissenschaften. 1985 wurde er als Rechtsanwalt zugelassen, 1976 trat er in die CSU ein. Kommunalpolitisches Engagement. Aufstieg in den CSU-Landesvorstand. 1990 wurde Schmidt in den Deutschen Bundestag gewählt – als Direktkandidat des Wahlkreises Fürth, den er seitdem stets gewann.

          Neue Perspektiven

          Die Außen- und Sicherheitspolitik wurden sein Arbeitsschwerpunkt. Mehreren Parlamentariergruppen gehört er an, die sich um Kontakte ins Ausland kümmerten: Großbritannien, Israel, Tschechische Republik, Kroatien und auch zu den baltischen Staaten. Zudem wurde Schmidt Landesvorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises. Konfessionelle und landsmannschaftliche Herkunft mögen eine Rolle gespielt haben, dass Schmidt seit Herbst 2011 auch stellvertretender CSU-Vorsitzender ist.

          Schmidt hatte schon Überlegungen angekündigt, dereinst im Ruhestand eine juristisch-wissenschaftliche Arbeit über die – aus seiner Sicht dienende – Tätigkeit Parlamentarischer Staatssekretäre zu verfassen. Nun könnte er später einmal die Perspektive eines Bundesministers anfügen.

          Weitere Themen

          Nationaler Notstand für den Mauerbau Video-Seite öffnen

          Trump will mehr Geld : Nationaler Notstand für den Mauerbau

          Der amerikanische Präsident Donald Trump hat die Ausrufung des nationalen Notstandes angekündigt. So will er die Finanzmittel für den Bau einer Grenzmauer beschaffen, die ihm der Kongress verweigert hat.

          Topmeldungen

          Streit um Notstandserklärung : Donald Trumps taktischer Fehler

          Donald Trump missbraucht mit dem Notstand seine Macht – sagen seine Kritiker. In Wahrheit gehe es Amerikas Präsidenten um andere Dinge. Ob ihm die Verordnung wirklich nützt, ist zweifelhaft. Auch aufgrund einer bestimmten Aussage.
          Populärer Sport: Klettern in Hallen wird immer beliebter

          Alpenverein in der Grauzone : Das große Geschäft mit den Kletterhallen

          Klettern in Hallen wird in Deutschland immer beliebter. Doch der Deutsche Alpenverein nutzt die Gemeinnützigkeit aus und bringt Privatinvestoren gegen sich auf. Die finden: „Der DAV ist wie eine Krake.“ Was steckt dahinter?
          Keine Nachfrage: Airbus stellt den A380 ein.

          Zukunft der Luftfahrt : Warum der Airbus A380 scheiterte

          Das größte Passagierflugzeug der Welt wird eingestellt. Im FAZ.NET-Digitec-Podcast diskutieren wir, wie es dazu kam – und welche Fehleinschätzungen sich die Führung von Airbus leistete.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.