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Festgenommener Syrer : Terrorverdächtiger von Chemnitz war offenbar Monate in der Türkei

  • Aktualisiert am

Polizisten sichern am Wochenende ein Wohnhaus in Chemnitz ab Bild: dpa

Jaber Albakr soll seinen möglicherweise geplanten Terroranschlag den Sommer über in der Türkei vorbereitet haben. Unterdessen fordern Politiker von CDU und SPD, die drei Flüchtlinge auszuzeichnen, die den Syrer überwältigt haben.

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          Der unter Terrorverdacht stehende Jaber Albakr soll sich zu seinen Vorbereitungen auf einen möglichen Selbstmordanschlag in Deutschland mehrere Monate in der Türkei aufgehalten haben. Einem Bericht von „Spiegel Online“ zufolge hätten dies Bekannte des 22 Jahre alten Syrers ausgesagt. Zudem habe sich Albakr mit seinem Mobiltelefon in das dortige Netz eingewählt. Er sei erst Ende August aus der Türkei zurückgekehrt und hätte eine große Menge an Dollar-Banknoten bei sich getragen.

          Unterdessen gibt es aus der Regierungskoalition Forderungen nach einer Auszeichnung der drei Syrer, die den Terrorverdächtigen überwältigt und der Polizei übergeben haben. „Die jungen Männer haben das Bundesverdienstkreuz verdient“, sagte der SPD-Verteidigungsexperte Johannes Kahrs der „Bild“-Zeitung. „Was sie getan haben, zeugt von tiefem Respekt gegenüber ihren deutschen Gastgebern. Mehr Ankommen, mehr Integration ist kaum vorstellbar. Das ist vorbildlich.“

          „Anerkennung, Dank und Mut lohnt sich“

          Auch der CDU-Außenpolitiker Jürgen Klimke hält dem Bericht zufolge eine Auszeichnung der jungen Männer mit dem Bundesverdienstkreuz für angemessen. Eine solche Ehrung sei ein „starkes Signal in beide Richtungen - in die deutsche Bevölkerung und gegenüber anderen Flüchtlingen: Anerkennung, Dank und Mut lohnt sich’“, sagte Klimke. Er werde sich persönlich dafür einsetzen.

          Albakr war in der Nacht zum Montag in Leipzig von Landsleuten, bei denen er offenbar übernachten wollte und die in ihm den gesuchten Verdächtigen erkannten, überwältigt und gefesselt worden. Danach informierten die Männer die Polizei, die Albakr schließlich festnahm.

          Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Ansgar Heveling (CDU), forderte, über die Asylanträge der drei Bezwinger des 22-Jährigen rasch zu entscheiden. „Was die drei gemacht haben, ist eine couragierte und sehr anerkennenswerte Leistung“, sagte er der „Berliner Zeitung“. „Die Asylanträge sollten rasch, aber normal geprüft werden wie andere Anträge auch. Und sicher wird es auch eine Gelegenheit geben, ihre engagierte Tat angemessen zu würdigen.“

          Albakr wird verdächtigt, Angriffe auf Züge in Deutschland und auf Flughäfen in Berlin geplant zu haben. Bei der Durchsuchung einer von ihm genutzten Wohnung in Chemnitz wurde hochexplosiver Sprengstoff gefunden. Die Ermittler gehen davon aus, dass der 22-Jährige Verbindungen zur Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) hatte. Er war im Februar 2015 als Flüchtling in Deutschland registriert worden.

          22-jähriger Syrer : Aufatmen nach Festnahme von Terrorverdächtigem in Leipzig

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