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Neue Charité-Studie : Erst AstraZeneca, dann BioNTech?

  • Aktualisiert am

Corona-Impfung im März in Pforzheim. Bild: dpa

Wissenschaftler der Charité halten es für möglich, bei der Corona-Impfung unterschiedliche Präparate zu verwenden. Andere Studien deuten hingegen auf stärkere Nebenwirkungen hin. Wie belastbar sind die Daten?

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          Die Verwendung unterschiedlicher Corona-Impfstoffe - erst AstraZeneca und als zweite Dosis BioNTech/Pfizer - hat für Impflinge laut einer vorläufigen Charité-Auswertung wohl keine Nachteile bei Wirksamkeit und Verträglichkeit. Eine Kombination der Präparate in einem Abstand von zehn bis zwölf Wochen sei laut der Studie gut verträglich und rufe vergleichbare Immunantworten wie eine Impfserie, die nur aus BioNTech-Impfstoff besteht, hervor. Das schrieb der Charité-Wissenschaftler Leif Erik Sander am Mittwoch auf Twitter.

          Hintergrund der gemischten Impfserie ist eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) nach dem Bekanntwerden von seltenen, aber schweren Komplikationen nach AstraZeneca-Erstimpfungen vor allem bei Jüngeren. Aus Risiko-Nutzen-Abwägungen heraus wird Menschen unter 60 Jahren, die schon eine AstraZeneca-Impfung haben, eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff wie dem BioNTech/Pfizer empfohlen. Allerdings sahen Fachleute bislang einen Mangel an verlässlichen Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit dieser neuen Kombination.

          Die Zwischenauswertung der Charité ist als sogenanntes Preprint veröffentlicht worden. Das bedeutet, dass eine Überprüfung durch externe Fachleute sowie die darauffolgende Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift noch ausstehen. Die Wissenschaftler um Sander erhoben und verglichen Daten von rund 340 Mitarbeitern im Gesundheitswesen, die zwischen Ende 2020 und dem 21. Mai geimpft wurden. Eine Gruppe bekam zwei Mal den Impfstoff von BioNTech/Pfizer im Abstand von drei Wochen, eine andere wurde mit AstraZeneca bei der Erst- und mit Biontech bei der Zweitimpfung geimpft.

          Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek schrieb auf Twitter, es handele sich um „wichtige Daten“. Sie kommentierte, die Immunantwort sei „(wie erwartet) sehr gut und vergleichbar mit homologer Impfung mit mRNA Impfstoff“. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach twitterte: „Diese Kombi wird gut vertragen und wirkt noch etwas stärker als doppelte BioNTech Impfung. Die Kombination kann man empfehlen.“

          Die Charité-Forscher schränkten ein, dass es sich nicht um eine sogenannte randomisierte kontrollierte Studie handle, bei der die Probanden nach dem Zufallsprinzip zu einer der beiden Gruppen zugeordnet werden. Ein solcher Studienaufbau gilt für viele Wissenschaftler als wünschenswert. Zudem sei unklar, inwieweit beobachtete Unterschiede auch mit dem längeren Impfintervall der Gruppe mit den verschiedenen Impfstoffen zusammenhängen könnten.

          Die Ergebnisse scheinen im Widerspruch zu einer kürzlich veröffentlichten Studie zu stehen, die in der Fachzeitschrift „Lancet“ veröffentlicht wurde. Dieser Studie zufolge haben Impflinge bei zwei unterschiedlichen Impfstoffen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für milde und moderate Nebenwirkungen nach der zweiten Dosis. Der längere Abstand zwischen den beiden Dosen in der Berliner Untersuchung könne mit den weniger stark ausgeprägten Impfreaktionen zu tun haben, lautet die Vermutung der Charité-Wissenschaftler.

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