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Studie zu Bildungschancen : Der Schulort entscheidet

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Bildungschancen in den Bundesländern: Unterricht in Deutsch als Zweitsprache in einer Gemeinschaftsschule in Klausdorf bei Kiel, links die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) Bild: dpa

Sind die Bildungschancen in Deutschland gerecht verteilt? Wie groß sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern? Antworten gibt die Bertelsmann-Stiftung im neuen „Chancenspiegel“ – einige davon überraschend einfach.

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          In einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigen sich „erfreuliche Entwicklungen“ im föderalen Bildungssystem in Deutschland. „Mehr Schüler haben Zugang zum ganztägigen Lernen, weniger Schüler brechen die Schule ohne Abschluss ab, und mehr Schüler erreichen die (Fach-) Hochschulreife“, heißt es im „Chancenspiegel 2014“, den die Stiftung am Donnerstag veröffentlicht hat. Gefragt wurde danach, ob Schüler in den einzelnen Bundesländern faire Chancen haben, gut ins Schulsystem integriert zu werden, zwischen den Schulformen zu wechseln, Fachkompetenzen zu entwickeln und gute Abschlüsse zu machen.

          „Weniger erfreulich“ verliefen dagegen der Ausbau der Ganztagsschulen, der nur langsam vorangehe, und die Inklusion von Schülern mit besonderem Förderbedarf. Hier stagniere die Entwicklung sogar, schreiben die Autoren. Und wie in den Jahren habe sich auch 2014 herausgestellt, dass der Bildungserfolg von Kindern wesentlich von ihrer sozialen Herkunft abhängt.

          Kaum Annäherung zwischen den Ländern

          Weiter heißt es, die Stadtstaaten sowie Niedersachsen und Hessen integrierten ihre Schüler besser, in Hamburg und den östlichen Bundesländern seien die Bildungssysteme dafür durchlässiger, Kompetenzen würden in den südlichen und östlichen Bundesländern am besten gefördert, und die Chancen auf gute Schulabschlüsse stünden in Baden-Württemberg, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland am besten.

          Insgesamt zeige sich, dass die gemeinsamen Bildungsstandards bisher keine merklich Annäherung zwischen den Bundesländern erbracht haben: „Unverändert stark ausgeprägt ist auch das Gefälle zwischen den Bundesländern. So zeigt der unterschiedliche Umgang mit Inklusion und schulischem Ganztag, dass es für diese zentralen Herausforderungen nach wie vor kein gemeinsames Verständnis der Länder oder bundesweite Standards gibt. Im Ergebnis bedeutet das auch, dass die Schulsysteme der Länder den Kindern und Jugendlichen höchst unterschiedliche Bildungschancen bieten – wenn auch kein Land überall vorbildlich und kein Land überall Schlusslicht ist.“

          Chancenspiegel: Der Schulweg macht den Unterschied

          Als eine mögliche Erklärung für die teilweise großen Unterschiede zwischen einzelnen Regionen ziehen die Autoren die Schulwege in Betracht: Die Schulstruktur des Landes und vor allem das Schulangebot in der jeweiligen Gebietskörperschaft beeinflussten offenbar das Schulwahlverhalten von Schülern und Eltern. Es seien „starke Pendelströme etwa zum Gymnasium im Nachbarkreis“ zu beobachten. Vor allem bildungsferne Familien entschieden sich dabei oft für das Schulangebot am Wohnort und nähmen nur selten längere Schulwege auf sich, um ihr Kind auf eine höhere Schule zu schicken.

          Der Chancenspiegel wird seit 2012 jährlich erhoben. Grundlage der Studie, die vom Institut für Schulentwicklungsforschung der TU Darmstadt und des Instituts für Erziehungswissenschaft der Universität in Jena erstellt wurde, waren diesmal Zahlen aus dem Jahr 2011 in anderen Bildungsberichten, amtlichen Bundes- und Länderstatistiken, Schulleistungsstudien und dem IQB-Ländervergleich der Kultusministerkonferenz (Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen an der Humboldt-Universität Berlin).

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