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Cem Özdemir über Ditib : „Das ist ein Täuschungsmanöver“

  • -Aktualisiert am

In einigen Bundesländern wird gerade diskutiert, ob die Zusammenarbeit mit Ditib beim islamischen Religionsunterricht fortgeführt werden soll. Wie stehen Sie dazu?

Klar ablehnend. Mit mir wird es eine Zusammenarbeit mit Ditib  in ihrer aktuellen Verfassung beim islamischen Religionsunterricht nicht geben. Es ist schlimm genug, dass in Hessen Schwarz-Gelb, namentlich die FDP, damals die Ditib in die Schulen gelassen hat. Solange ich Politik mache, werde ich alles dafür tun, diejenigen zu unterstützen, die sich auf unser deutsches Grundgesetz verlassen und darauf zählen, dass die Bundesrepublik Deutschland zu ihren eigenen Werten und zu ihrer eigenen Verfassung steht. Auch wenn die, die sich darauf berufen, nicht Hans oder Maria, sondern vielleicht Ali oder Ayshe heißen. Sie stehen genauso unter dem Schutz unserer liberalen Demokratie  wie jeder anderer und dürfen nicht einem reaktionären Regime ausgeliefert werden. Und ich hoffe, dass es da einen Konsens in der deutschen Politik gibt.

Der neu gewählte Vorstandsvorsitzende der Ditib, Kazim Türkmen (links im Bild), spricht auf einer Pressekonferenz neben seinen Stellvertretern, Ahmet Dilek und Emine Secmez (von links nach rechts) über die Zukunft des Islam-Dachverbands.

Was muss die Politik jetzt tun, um Ditib mehr in die deutsche Gesellschaft zu integrieren und den Einfluss aus Ankara zu minimieren?

Die Loslösung von Ankara muss von der Ditib selbst kommen. Dass das bisher nicht geschehen ist, hat allerdings auch mit einem Versagen der deutschen Politik zu tun. Man hat der Ditib in der Vergangenheit nicht deutlich genug gemacht, dass man nicht Bundesländer, Parteien oder Ministerien gegeneinander ausspielen kann. Die Politik muss endlich klare, harte Ansagen machen – softe Sprache versteht die türkische Regierung falsch. Das war schon in der Vergangenheit so, als man in Ankara glaubte, die deutsche Politik werde schon irgendwann mürbe werden und den islamischen Dachverbänden die Anerkennung gewähren. Wenn wir ehrlich sind, standen wir ja kurz davor. Parteiübergreifend gibt es immer eine Sehnsucht nach schnellen, einfachen Lösungen. Aber die gibt es nicht. Ich hoffe, da hat jeder seine Lektion gelernt.

Es gibt in der muslimischen Gemeinde aber doch auch viele aufgeschlossene Türken, die eine übermäßige Kontrolle durch die türkische Regierung ablehnen. Könnte das zu einer Spaltung innerhalb der Ditib führen?

Gerade diese Muslime ärgern sich doch besonders über die Naivität in der deutschen Politik, die leider gelegentlich mit der Komplexität der Lage überfordert ist. Gerade sie sind in besonderer Weise auf unsere Solidarität angewiesen. Ihnen müssen wir die Gesprächstüren weit öffnen und sich darüber Gedanken machen, wie man sie unterstützen kann. Im Idealfall wird aus ihren Reihen selber etwas Eigenes entstehen. Denn es ist klar, dass nach unserem Religionsrecht der Staat keine Religionsgemeinschaften gründet. Das muss aus der Religionsgemeinschaft heraus geschehen. Das braucht Zeit. Aber dabei sollten wir diese aufgeschlossenen Muslime nicht allein lassen. Denn sie werden es verdammt schwer haben.

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