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Politischer Aschermittwoch : Der Gegenangriff der AKK

Annegret Kramp-Karrenbauer bei ihrem Auftritt im Rahmen des Politischen Aschermittwoch in Demmin Bild: EPA

Bei ihrem ersten Politischen Aschermittwoch als CDU-Vorsitzende kontert Annegret Kramp-Karrenbauer die Kritik an ihrem vieldiskutierten Karnevalsauftritt und findet auch bei anderen Themen klare Worte. Das erste Ständchen gibt es jedoch für ihre Vorgängerin.

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          Es dauert nicht lange, bis Annegret Kramp-Karrenbauer auf ihren Karneval-Witz zu sprechen kommt. Oder vielmehr auf die Entrüstung, die er ausgelöst hat. Ihre Vorredner hatten sich beim Politischen Aschermittwoch in Demmin schon darin geübt, sie zu verteidigen, stets begleitet von gnädigem Applaus. „Wir lassen uns den Spaß nicht nehmen“, hatte etwa der Landesvorsitzende Vincent Kokert den CDU-Anhängern zugerufen. Und dann kommt Kramp-Karrenbauer auf die Bühne, der Höhepunkt des Abends, und da ist der Spaß erst einmal vorbei.

          Eckart Lohse
          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.
          Matthias Wyssuwa
          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Für die neue Parteivorsitzende ist es die Premiere in Demmin. Seit 2001 feiert der Landesverband von Mecklenburg-Vorpommern hier den Aschermittwoch in einer Tennishalle, die einen ebensolchen Charme ausstrahlt, und das hätte außerhalb Mecklenburg-Vorpommerns sicher niemanden interessiert, hätte diesem Verband mit Angela Merkel nicht lange auch die Vorsitzende der Bundespartei angehört, die Bundeskanzlerin zudem. So konnte man sich an den Biertischen in Vorpommern stets einer prominenten Hauptrednerin sicher sein, und bundesweiter Aufmerksamkeit. Von all ihren Besuchen freilich blieb aber vor allem eine Szene hängen: Wie ein Kellner die Kontrolle über sein Tablett verlor und Merkel in Bier duschte. Die Kanzlerin ertrug es stoisch. Am Mittwoch ist sie nun nicht mehr in der Halle. Ein „Hoch soll sie leben“ wird auf sie angestimmt.

          Die bundesweite Aufmerksamkeit ist der Nordost-CDU trotzdem sicher, weil Kramp-Karrenbauer zugesagt hat. Schon im Dezember, erzählt Kramp-Karrenbauer, gleich nach ihrer Wahl zur Parteivorsitzenden in Hamburg, habe Merkel ihr das Versprechen abgenommen, nach Demmin zu kommen. Merkel wird nicht weinen, dass diese Veranstaltung nicht mehr zu ihren Pflichtterminen gehört. Karneval gehört nicht zu ihren Lieblingsdisziplinen. Die aus dem Saarland stammende CDU-Vorsitzende hat einen völlig anderen Zugang zum Karneval. Sie tritt seit Jahren selbst auf den Bühnen der Fünften Jahreszeit auf. Bislang hatte es noch keiner ihrer Witze geschafft, eine Diskussion darüber auszulösen, wie weit Scherze im Karneval gehen dürfen. Am vergangenen Wochenende aber hatte Kramp-Karrenbauer über gendergerechte Toiletten in Berlin gewitzelt und gesagt, diese seien für jene Männer, die nicht mehr wüssten, ob sie beim „Pinkeln“ noch stehen dürften oder schon sitzen müssten. Da verstanden viele keinen Spaß mehr.

          Kramp-Karrenbauer hat diese Diskussion offenbar getroffen, ihre Lautstärke weist darauf hin. Um 18.11 Uhr betritt sie die Bühne. Ein Spruch zur „Demminer Bierdusche“, ein Gruß von Merkel, dann wird sie ernst. Sie habe ihren Witz beim Stockacher Narrengericht gemacht, wo sie „angeklagt“ gewesen sei, die CDU zu entmannen, schildert sie den Hintergrund ihres karnevalistischen Auftritts. „Manchmal muss man genau hinhören, bevor man sich künstlich aufregt“, sagt sie. Die Parteivorsitzende beschwört die Gefahr herauf, dass die „Tradition von Fastnacht, Karneval und Kleinkunst“ in Deutschland kaputtgemacht werde, wenn man solche „verkrampften“ Diskussionen führe. Ganze zehn Minuten spricht sie über das Thema. 1989 seien die Deutschen das glücklichste Volk der Welt gewesen. Heute denke sie manchmal: „Wir sind das verkrampfteste Volk der Welt.“ Unterbrochen wird sie immer wieder von Beifall. Zwar sind die Sitzbänke an den Biertischen doch etwas leerer als noch bei Merkels Rede im vergangenen Jahr. Aber die etwa 800 anwesenden CDU-Anhänger überzeugt Kramp-Karrenbauer schnell.

          Da tut es der Stimmung auch keinen Abbruch mehr, dass ihre Rede danach erwartbaren Linien folgt. Sie hebt die Bedeutung der Europawahl hervor, äußert Sorge um die Stellung in der Welt, übt Kritik an der SPD – und erinnert immer wieder an all die hart arbeitenden Menschen, die früh aufstehen. Daran, dass Arbeit sich lohnen müsse. Als sie schließlich fertig ist, erheben sich die CDU-Anhänger von ihren Sitzplätzen. Die Premiere ist geglückt.

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