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CDU-Vorsitz-Kandidaten bei JU : Die Früchte der Oppositionsarbeit ernten

Favorit von JU-Chef Tilman Kuban: Friedrich Merz Bild: dpa

Friedrich Merz, Helge Braun und Norbert Röttgen haben sich digital der Parteijugend vorgestellt. Die drei Bewerber wollen die Partei erneuern – und sehen in der neuen Rolle als Oppositionskraft gute Chancen dafür.

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          Die CDU beginnt ihre Abgrenzung zu den Sozialdemokraten  am Samstag schon bei der Frage, was Opposition eigentlich bedeutet. Mit der SPD fast untrennbar verbunden ist  der legen­däre Satz Franz Münteferings, Opposition sei „Mist“. Diese Botschaft will die CDU, die gerade auf der Suche nach einem neuen Vorsitzenden ist, keinesfalls senden. Als sich die drei Kandidaten um den Parteivorsitz  in Frankfurt bei der Jungen Union zu einem „Pitch“ vorstellen, klingt das ganz anders. 

          Kim Björn Becker
          Redakteur in der Politik.

          „Opposition heißt nicht fünftes Rad am Wagen“, sagt   Friedrich Merz. Er trägt einen dunkelblauen Anzug, die Krawatte bleibt – passend zur jüngeren Klientel, die digital zuschaut  – im Schrank. Man sei im Parlament „auf gleicher Augenhöhe mit der Regierung“, betont er. Und Merz verweist darauf, dass es ihm schon einmal ge­lungen sei, die neue Rolle rasch an­zunehmen. 1998 war das, Gerhard Schröder hatte Helmut Kohl das Bundeskanzleramt abgenommen, und als wenige Monate später die Landtagswahl in Hessen anstand, konnte sich die CDU dort durchsetzen – mit Roland Koch an der Spitze und einer  Unterschriftenaktion gegen die doppelte Staatsbürgerschaft, die zuvor von der rot-grünen Bundesregierung be­schlossen worden war. Merz war da­mals stellvertretender Parteichef, er nimmt den damaligen Erfolg heute  für sich mit in Anspruch. „Je schneller wir uns an die neue Rolle gewöhnen, umso schneller werden wir wieder erfolgreich“, verspricht Merz. 

          Auftritt Helge Braun, der mit grauer Krawatte zum dunklen Anzug sehr präsidial wirkt. Vier Jahre hat der Arzt das Bundeskanzleramt von Angela Merkel geleitet, nun soll es das Konrad-Adenauer-Haus werden. Die Union habe bei der Bundestagswahl eine „krachende Niederlage“ erlitten, sagt er.  Die Partei müsse  „schnell wieder auf die Beine kommen“. Die Grünen, die  mit SPD und FDP ein Ampelbündnis im Bund bilden wollen, hätten sich in der Opposition zur „Verbotspartei“ entwickelt, sagt Braun. Das soll der CDU nicht passieren, die Partei soll  eine „klare Opposition gegen die Ampel“ führen.

          Kürzlich hat die Ampel ihren Koa­litionsvertrag vorgelegt. Der Vertrag sehe „enorme Ausgaben“ vor, mahnt Braun, aber kaum Aussagen zur Frage, wie die Projekte finanziert werden sollen. „Ich mache mir Sorgen um Deutschland“, sagt Braun. Die Ampel plane  viele gesellschaftspolitische Ver­­änderungen – Braun erwähnt un­ter anderem das Wählen ab 16 so­wie die  Freigabe von Cannabis –, ohne diese vorher breit in der Gesellschaft  zu diskutieren. „Wir müssen die bürgerliche Mitte hinter uns versammeln“, verlangt Braun. 

          Der Außenpolitiker Norbert Röttgen bewirbt sich als Dritter  um den Vorsitz und auch er betont – mit offenem Hemdkragen und auch sonst am ehesten jugendlich wirkend – die Chancen, die er für die Partei abseits der Regierung sieht. Opposition sei in der Demokratie zwar nur „die zweitschönste Aufgabe“, sagt er. „Aber wir nehmen sie an.“ Etwas anderes bleibt der CDU auch kaum übrig. Einen Man­gel an Kritikmöglichkeiten an der Ampel werde man nicht haben, stellt Röttgen klar. Und er leitet aus der Ge­schichte her, warum man dem Machtverlust auch Gutes abgewinnen kann. Die CDU habe mehrfach für lange Zeit regiert. Irgendwann sei „der Vorrat auf­gebraucht“, sagt Röttgen. So sei es auch in diesem Jahr gewesen. „Wir ha­ben ja gelernt, das heißt nicht das En­de von etwas, sondern Aufbruch und Erneuerung“, sagt Röttgen. „Nostalgie ist keine Option, es geht nur nach vorn.“

          Während ihres „Pitchs“ hatten die Bewerber jeweils zehn Minuten Zeit, ihre Vorstellungen zu erläutern. Für jeden Kandidaten stand anschließend Zeit für Fragen und Antworten zur Verfügung - bei Merz dauerte die Fragerunde 40 Minuten, bei Braun und  Röttgen jeweils eine halbe Stunde. JU-Chef Tilman Kuban hatte sich bereits für Merz ausgesprochen. Von Samstag an stimmen die Parteimitglieder in einer Mitglieder­befragung online sowie per Brief über den neuen Vorsitzenden ab, Ende Ja­nuar soll ein Parteitag die Personalie dann bestätigen. 

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