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CDU-Vorsitz : „Mit Verlaub, ich bin zurzeit kein Politiker“

  • -Aktualisiert am

CDU-Vorsitzkandidat Friedrich Merz Bild: dpa

Friedrich Merz hat im Ringen um den CDU-Vorsitz wieder mit dem Wahlkampf begonnen – unter strengen Corona-Bedingungen trat er in der Düsseldorfer Fußballarena auf. Doch seine bisherige Verve scheint dahin.

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          Friedrich Merz füllt locker jeden Festsaal in Deutschland. Doch dass am Montagabend gleich ein ganzes Fußballstadion für ihn nötig ist, hat dann doch nicht mit seinen Redekünsten, sondern mit Corona zu tun. Der Kandidat für den CDU-Bundesvorsitz war vor einiger Zeit wieder einmal zum Düsseldorfer „Ständehaustreff“ eingeladen worden. Die Talkveranstaltung der örtlichen „Rheinischen Post“ fand vor der Pandemie – wie der Name sagt – im Foyer des heute als Museum genutzten Ständehauses im Zentrum der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt in kleinem, feinem Rahmen statt.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Um die strengen Hygiene- und Abstandsregeln erfüllen zu können, musste  die Veranstaltung nun aber in die moderne Fußballarena beim Flughafen Düsseldorf verlegt werden. Deren mit Platten abgedecktes Fußballfeld, wo es genügend Raum für 500 einigermaßen locker plazierte Gäste gibt, erreicht man am Montag über den Spielertunnel. Und dabei denkt man unweigerlich: So also ergeht es derzeit den Bundesliga-Kickern, wenn sie zu Begegnungen vor leeren Rängen auflaufen.

          Ein erstaunliches Spektakel

          Das Ringen um den CDU-Vorsitz und damit auch um die Kanzlerkandidatur war schon vor Corona ein erstaunliches Spektakel, eine Partie in vielen Etappen und mit manch unerwarteter Verlängerung. Dabei schien Ende 2018 alles klar. Auf dem Bundesparteitag in Hamburg hatte sich Annegret Kramp-Karrenbauer knapp gegen Merz durchsetzen können. Doch nach kaum mehr als einem Jahr gab sie zermürbt auf. „Die Trennung von Kanzleramt und Parteivorsitz, die offene Frage der Kanzlerkandidatur, schwächt die CDU“, sagte sie im Februar. Kramp-Karrenbauer fühlte sich von ihren Parteifreunden nicht mehr ausreichend getragen, nicht genug verteidigt, zu oft öffentlich angegriffen.

          Plötzlich war das Spiel abermals eröffnet: Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet – der sich als Teampartner den zwei Jahrzehnte jüngeren Bundesgesundheitsminister Jens Spahn an die Seite holte – gaben ihre Kandidaturen bekannt. Und Friedrich Merz warf seinen Hut zum zweiten Mal in den Ring.

          Merz auf der Großleinwand
          Merz auf der Großleinwand : Bild: dpa

          Warum tut der 64 Jahre alte Jurist, der in der freien Wirtschaft seit vielen Jahren sehr gutes Geld verdient, sich das noch einmal an? „Ich habe 2018 innerhalb von fünf Wochen – nachdem ich neun Jahre aus der Politik war – 48 Prozent der Stimmen auf dem Bundesparteitag bekommen. Wenn ich 35 Prozent bekommen hätte, würde ich heute hier wahrscheinlich nicht sitzen“, antwortet Merz am Montag in Düsseldorf. Ja, er wolle es noch einmal wissen, sagt er später.

          Eigentlich hätte das zweite Ringen um den CDU-Vorsitz zügig ausgefochten werden sollen. Doch dann überlagerte die Corona-Krise alle anderen Themen. Und nicht nur der auf April vorgezogene CDU-Bundesparteitag musste wieder auf den ursprünglich vorgesehenen Termin im Dezember verschoben werden, auch der innerparteiliche Wahlkampf fiel einstweilen aus. Während Laschet und Spahn sich in ihren Ämtern als Krisenmanager bewähren konnten, war Merz seines persönlichen Kampagnetrumpfs beraubt: Bis dahin war der passionierte Pilot mit seiner Propellermaschine kreuz und quer in Deutschland auf erfolgreicher Redetour an der Parteibasis unterwegs. Nun aber macht das Virus Merz zum Kandidaten aus dem Off. Merz blieb in Umfragen trotzdem vor Laschet. Merz könnte am Montag, dem Tag an dem er seinen Wahlkampf wieder richtig aufnehmen kann, also souverän über den Hinweis des Moderators hinweggehen, dass er – anders als Laschet – nie ein Regierungsamt innehatte. Aber Merz scheint darin eine Majestätsbeleidigung zu sehen: „Ich bin ein bisschen überrascht, dass ausgerechnet mir diese Frage ständig gestellt wird“. Den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz habe das 2017 nie jemand gefragt. Diese Vorlage nimmt der Moderator im Düsseldorfer Fußballstadion zum Amüsement des Publikums gerne auf: „Aber dessen Karriere wollen sie sich nicht zum Vorbild nehmen?“

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