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Kommunalwahlen : CDU und SPD verlieren vor allem in Großstädten

  • -Aktualisiert am

Am vergangenen Sonntag wurde in zahlreichen Bundesländern über die Kommunalparlamente abgestimmt. Bild: dpa

Bei den Kommunalwahlen gehören die Grünen im Westen zu den großen Gewinnern, im Osten schneidet die AfD stark ab. Und in einem Bundesland können sich SPD und CDU über Ergebnisse von über 30 Prozent freuen.

          Millionen Wähler in Deutschland waren am Sonntag dazu aufgerufen, neben der Europawahl auch bei Kommunalwahlen ihre Stimmen abzugeben. In Brandenburg, Sachsen und Thüringen galten die Stimmabgaben in den Kommunen auch als Stimmungstests für die Landtagswahlen im Herbst. Zudem wurde in Bremen eine neue Bürgerschaft gewählt. Ein Überblick über die Ergebnisse:

          Brandenburg

          In Brandenburg hat die Kommunalwahl nach Auszählung aller Stimmen kein eindeutiges Ergebnis hervorgebracht. Gleich fünf Parteien haben ein Ergebnis zwischen 10 und 20 Prozent erreicht. In dem von einer Koalition aus SPD und Linkspartei regierten Bundesland bleibt die CDU in Führung, mit 18,3 Prozent. Knapp dahinter landete die SPD. Es folgen AfD, Linke und Grüne. Die FDP, die sich im gesamten Osten schwer tut, erreichte nur 4,9 Prozent. In der Landeshauptstadt Potsdam konnte die SPD knapp vor Grünen und Linken gewinnen.

          Hamburg

          Nach dem vorläufigen Ergebnis in Hamburg hat die SPD deutlich verloren. Profitiert haben davon die Grünen, die in Altona, Eimsbüttel, Hamburg-Nord deutlich und in Hamburg Mitte knapp gewonnen haben. In Wandsbek, Harburg und Bergedorf liegt noch die Regierungspartei SPD vorne. Die AfD liegt nur im südlichen Stadtteil Harburg knapp über zehn Prozent. Am niedrigsten war die Wahlbeteiligung in Hamburg Mitte mit rund 47 Prozent, am höchsten in Altona mit 65 Prozent.

          Der Däne Claus Ruhe Madsen könnte der nächste Oberbürgermeister in Rostock werden.

          Mecklenburg-Vorpommern

          In Mecklenburg-Vorpommern wurde die CDU deutlich stärkste Kraft. Landesweit erreichte sie 25,4 Prozent der Stimmen. Die AfD erreichte 14 Prozent und wurde in Vorpommern-Greifswald zweitstärkste Kraft. Bei der Bürgermeisterwahl in Rostock landete der Däne Claus Ruhe Madsen, der von CDU und FDP unterstützt wurde, vor Sozialsenator Steffen Bockhahn von den Linken. Bei der nun anstehenden Stichwahl kann Madsen der erste Bürgermeister einer Großstadt ohne deutschen Pass werden.

          Rheinland-Pfalz

          Nachdem der Großteil der Stimmbezirke ausgezählt ist, liegt die CDU in Rheinland-Pfalz klar vorne. Die Partei verlor zwar deutlich im Vergleich zur vorangegangenen Kommunalwahl, erreichte aber noch 31,1 Prozent. SPD (22,5 Prozent) und Grüne (15,9 Prozent) landeten auf den Plätzen zwei und drei. In den Städten Mainz, Trier und Koblenz wurden die Grünen hingegen stärkste Kraft.

          SPD-Politikerin Charlotte Britz will ihr Oberbürgermeisteramt in Saarbrücken verteidigen.

          Saarland

          Im Saarland sind CDU und SPD noch starke Parteien: Die CDU holte 34 Prozent, die SPD 30 Prozent. In der Landeshauptstadt Saarbrücken holten die Sozialdemokraten die meisten Stimmen, bei der Bürgermeisterwahl wird die Amtsinhaberin Charlotte Britz von der SPD gegen CDU-Kandidat Uwe Conradt antreten. Die größten Zugewinne im Saarland konnten die Grünen verzeichnen, sie verdoppelten ihr Ergebnis auf 12,6 Prozent.

          Sachsen

          In acht von zehn Kreistagen hat sich die CDU knapp gegen die AfD durchgesetzt. Umgekehrt ist es in den Landkreisen Bautzen und Görlitz: Dort wurde die AfD stärkste Kraft vor der CDU. Im Landkreis Görlitz landete die SPD hinter den Grünen bei nur 5 Prozent. In Leipzig und Dresden konnten die Grünen hinzugewinnen.

          Sachsen-Anhalt

          Die Wahlbeteiligung in Sachsen-Anhalt ist deutlich gestiegen, von 43 auf nun 54 Prozent. Die CDU ist um rund zehn Prozentpunkte auf 24,6 Prozent abgestürzt, konnte sich aber als stärkste Kraft behaupten. Die AfD landete mit 16,4 Prozent auf Platz zwei, dahinter Linke und SPD.

          Thüringen

          In Thüringen, das von Linken-Politiker Bodo Ramelow regiert wird, ist die CDU trotz Verlusten Wahlgewinner. Auch die Linke verlor deutlich, sie landete nur auf dem dritten Platz hinter der AfD, die erstmals flächendeckend antrat und 17,7 Prozent erreichte. In Jena siegte die Linke vor den Grünen, in Gera die AfD und in Weimar die Grünen.

          Baden-Württemberg

          In Baden-Württemberg dauert die Auszählung an. In den großen Städten gewinnen die Grünen nach Prognosen teilweise deutlich. In Karlsruhe knackt die Partei die 30-Prozent-Marke. Die CDU kann ihre Ergebnisse von der vergangenen Wahl voraussichtlich nicht halten.

          Bremen

          Die SPD hat bei der Bürgerschaftswahl eine historische Niederlage hinnehmen müssen. Laut einer landesweiten Hochrechnung des Landeswahlleiters kamen die Sozialdemokraten, die in Bremen seit 1946 ohne Unterbrechung den Bürgermeister stellen, nur noch auf 23,6 Prozent der Stimmen. Eine rechnerische Mehrheit gibt es für mehrere Bündnisse. Aufgrund des komplizierten Wahlrechts liegt aber immer noch kein amtliches, vorläufiges Endergebnis vor. 

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